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Wenn Sie mehr ueber dieses Thema wissen moechten, bitte schreiben Sie an Andreas Pfister, den Autor dieses Textes unter awp75@hotmail.com.

Einleitung

Inwieweit können Länder der Dritten Welt vom internationalen Tourismus profitieren? Auf den ersten Blick könnte die Tourismusbranche als ein wichtiger Wirtschaftszweig angesehen werden, dem es möglich ist, dringend benötigte Devisen in die leeren Kassen der Entwicklungsländer dieser Erde zu bringen. Die Entwicklung der internationalen Tourismuswirtschaft seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges zeigt jedenfalls ein eindeutiges Bild auf. Soziale und ökonomische Veränderungen vor allem in den entwickelten Ländern, wie zum Beispiel höhere Einkommen, eine gerechtere Verteilung derselben und die technologischen Innovationen der Transportindustrie, die letztendlich in Verbindung mit einer steigenden Nachfrage zu einer erheblichen Senkung der Reisekosten führten, sorgten für einen bis heute anhaltenden Boom der Reiseindustrie. Gab es 1950 lediglich etwa 25 Millionen Ankünfte von Touristen weltweit, stieg die Zahl 1999 auf 664 Millionen (WTO, 2000:12). Die Tourismusbranche wächst unaufhaltsam weiter und schon im Jahre 2010 wird damit gerechnet, dass die Milliardenmarke bei internationalen Ankünften von Touristen erreicht wird.

Können Entwicklungsländer tatsächlich von dieser Entwicklung profitieren? Louis Turner beschreibt den internationalen Tourismus als die verheißungsvollste, komplexeste und am wenigsten untersuchte Industrie im Hinblick auf die Probleme der Dritten Welt (Turner, 1976:253ff.). Obwohl diese Einschätzung mittlerweile schon fast 30 Jahre zurückliegt, trifft sie auch heute noch größtenteils zu. Eine vorschnelle positive Beurteilung des "Tourismusbooms" in der Dritten Welt ist aufgrund schwerwiegender Probleme, zum Beispiel im Bereich der Umweltverschmutzung, genauso wenig angebracht wie die teilweise vor allem in den 70er Jahren vorherrschende Meinung, Tourismus in der Dritten Welt sei eine Art Neo-Kolonialisierung. Tourismus hat sich weder als entwicklungspolitische Wunderwaffe erwiesen, noch hat Tourismus zu einer zunehmenden Verelendung der Dritten Welt geführt.

Der Tourismus ist sehr weit davon entfernt, als Lösung für die Probleme und Schwierigkeiten der Länder der Dritten Welt zu dienen. Dafür sind die Entwicklungsländer in ihren Merkmalen zu verschieden und zu vielschichtig.

Spätestens seit Anfang der 90er Jahre ist das Konzept der nachhaltigen Entwicklung aus der aktuellen Diskussion in allen Politikfeldern nicht mehr wegzudenken. Vor allem durch den Brundtlandbericht aus dem Jahre 1987 und die Uno-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro hat der Begriff weltweite Bedeutung erlangt. Im Bereich des Tourismus wird die Konzeption der Nachhaltigkeit von den meisten Akteuren für sich beansprucht, um sich selber und ihrem Handeln eine moralische und ökologische Absolution zu erteilen. Dazu zählen bei weitem nicht nur die nach Gewinn strebenden Reiseveranstalter, sondern auch Regierungsvertreter, lokale Politiker und nicht zuletzt auch die Touristen selber, die den Begriff der Nachhaltigkeit oft nach ihren individuellen Wünschen definieren.

Spricht man von nachhaltigem Tourismus, muss unweigerlich auf das Konzept des so genannten Ökotourismus eingegangen werden. Dieses Konzept kann als eine Art Symbiose verschiedener Strömungen angesehen werden. Auf der einen Seite greift es das Konzept der nachhaltigen Entwicklung auf und verbindet dieses mit der aktuellen touristischen Nachfrageentwicklung in Form eines naturbezogenen Tourismus. Auf der anderen Seite wird Ökotourismus als eine Möglichkeit für einen nachhaltigen Schutz der Flora und der Fauna in dem jeweilig bereisten Land gesehen.

Die vorliegende Diplomarbeit geht von der Hypothese aus, dass nachhaltiger Tourismus und hierbei im besonderen Sinne Ökotourismus zu einer nachhaltigen Entwicklung in einem Entwicklungsland durchaus beitragen kann.

Bei genauerer Betrachtung der Materie bieten sich interessante Möglichkeiten, den Tourismus zur Umsetzung entwicklungspolitischer Ziele zu nutzen. Es muss aber, wie schon erwähnt, ebenfalls darauf hingewiesen werden, dass nur wenige Länder derart geeignet für eine solche Untersuchung sind wie das für die Fallstudie ausgewählte zentralamerikanische Land Costa Rica. Costa Rica wird als eines der Länder mit der höchsten Biodiversität weltweit angesehen und ist daher als Ökotourismusland mit seiner attraktiven naturräumlichen Ausstattung für eine Untersuchung über Tourismus und nachhaltige Entwicklung geradezu prädestiniert. Ebenfalls zu prüfen ist, inwieweit dieses kleine Land die naturschutzpolitischen und sozio-ökonomischen Ziele und Prinzipien des Konzepts des Ökotourismus umsetzen kann und will.

Im weiteren Sinne lässt sich Ökotourismus an sich als System mit den Bestandteilen Tourismus, Umweltschutz und nicht zuletzt auch Entwicklungszusammenarbeit interpretieren. Hierbei muss angemerkt werden, dass die Förderung des Tourismus in Entwicklungsländern derzeit in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit eine eher untergeordnete Rolle spielt. Zum Teil wurden tourismusbezogene entwicklungspolitische Aktivitäten an die Europäische Union delegiert, zum Teil wurden sie einfach eingestellt (Kasparek 1998:66ff).


Problemstellung

Die enorme wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für viele Entwicklungsländer ist unbestritten und das Wachstumspotential in diesem Bereich ist oft weit höher im Vergleich zu anderen, eher traditionellen Wirtschaftszweigen wie Landwirtschaft oder die Textilindustrie, die in Dritte-Welt-Ländern weitere Hauptstützen der jeweiligen Volkswirtschaften darstellen.

Die von Kritikern des internationalen Tourismus in Bezug auf Entwicklungsländer zu Recht gestellte Frage, ob die negativen Seiten nicht deutlich überwiegen, muss aus verschiedenen Blickwinkeln beobachtet werden. Aufgrund der Tatsache, dass die Entwicklung stark von den profitorientierten und zum Teil oft kurzfristigen Interessender internationalen Tourismuswirtschaft abhängig ist, ist diese generelle Infragestellung des Konzepts Tourismus als Entwicklungshilfe durchaus legitim.

Jedoch muss das Problem differenzierter betrachtet werden. Nachhaltiger Tourismus im Sinne der Prinzipien des Konzeptes der nachhaltigen Entwicklung besitzt bei einer konsequenten Anwendung das Potential, den angesprochenen Problemen wie Devisenabfluss, Umweltzerstörung oder auch kulturelle Verfremdung entgegenzutreten.

Es bleibt zu untersuchen, in wie weit der im Sinne der Nachhaltigkeit verpflichtete Ökotourismus in einem Dritte-Welt-Land wie Costa Rica zu entwicklungspolitischen Erfolgen führen kann. Sieht man Ökotourismus als ein politisches Konzept an, muss analysiert werden, wie die drei Säulen, auf denen dieses Konzept basiert, in der Praxis umgesetzt werden können. Allgemein zusammengefasst bestehen diese drei Säulen aus:

  • der Erhöhung der Akzeptanz des Umwelt- bzw. des Naturschutzes

  • der Finanzierung von Schutzgebieten

  • der Schaffung lokaler Einkommen

Ökotourismus greift einerseits die immer stärker nachgefragte Form des Naturtourismus auf und verbindet diesen mit den Prinzipien und Zielen der Nachhaltigkeit, auf welche genauer im Punkt 2.5 dieser Arbeit –Nachhaltige Entwicklung und Tourismus- eingegangen werden wird.


Relevanzbegründung

Obwohl das Potenzial der internationalen Tourismuswirtschaft unbestritten ist und anhand aussagekräftiger Zahlen belegt werden kann, findet das Thema Tourismus und Entwicklungspolitik in der wissenschaftlichen Diskussion im Vergleich mit anderen Fragen in diesem Politikfeld eher wenig Beachtung. In gewisser Weise kann man auch von einem "theoretical divide" (Sharpely 2000:1) oder einer theoretischen Lücke sprechen.

Des Weiteren ist auffallend, dass sich die einschlägige Literatur mit dem Thema Tourismus und hierbei insbesondere mit dem Konzept des Ökotourismus hauptsächlich im Zusammenhang mit dessen Chancen und Möglichkeiten im Rahmen des Umweltschutzes auseinandersetzt und andere wichtige entwicklungspolitische Aspekte außen vor lässt.

Diese relative Geringschätzung des ohne jeden Zweifel vorhandenen Leistungsvermögens des internationalen Tourismus steht im Widerspruch zu den Tatsachen, dass dieser mit über 250 Millionen Beschäftigten, einem jährlichen Gesamtumsatz von über 210 Milliarden Euro und einer Steigerungsrate von 4% im Jahr der bedeutendste Wirtschaftsfaktor weltweit ist (GTZ, 1997:5). Außerdem spielt der Tourismus eine zunehmend bedeutende Rolle als Mediator im globalen Nord – Süd – Transfer.

Tourism is the only international trade in service in which the LDC´s have consistently had surpluses compared with the rest of the world. Between 1980 and 1996, LCD´s positive balance in the travel account rose from USD 4.6 Billion to USD 65.9 Billon” (Berno, 2001:3).

Anhand dieser Studie im Rahmen einer Diplomarbeit sollen Chancen, Fähigkeiten, aber auch Gefahren anhand des zentralamerikanischen Landes Costa Rica aufgezeigt werden, die der (Öko-)Tourismus in einem Entwicklungsland mit sich bringt. Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung soll hierbei auf den Tourismus übertragen werden.


Methode

Anhand einer methodisch qualitativ durchgeführten Einzelfallstudie werden im Anschluss die im theoretischen Zusammenhang mit Tourismus, Entwicklung und Nachhaltigkeit relevanten Aspekte beleuchtet und analysiert. Neben einer qualitativen Literatur- bzw. Dokumentenanalyse zum Thema "Nachhaltige Entwicklung und Tourismus" wurden während eines vierwöchigen Aufenthaltes in Costa Rica Gespräche mit Experten der Tourismusindustrie, Vertretern der lokalen Tourismusverbände und in Costa Rica ansässigen Nichtregierungsorganisationen geführt. In diesen Gesprächen sollte vor allem ermittelt werden, inwieweit sich die grundlegenden Prinzipien und Ziele nachhaltiger Entwicklung tourismuspolitisch verwirklichen lassen. Die Frage nach den Möglichkeiten, die der Tourismus und hierbei insbesondere der Ökotourismus hin zu einer solchen Entwicklung bieten, stand an erster Stelle. Des Weiteren wurde in einer einwöchigen Exkursion die von dem costa-ricanischen Tourismusministerium mehrfach ausgezeichnete Ökolodge "Lapa Rios" besucht, wobei beobachtet werden konnte, wie der Versuch unternommen wird, die Prinzipien und Ziele des Ökotourismus in einer sehr entlegenen Gegend Costa Ricas zu implementieren. Auch hier wurden mit der ausschließlich vor Ort rekrutierten Belegschaft und dem Management Gespräche geführt.


Aufbau der Arbeit

Die Arbeit ist in fünf Abschnitte gegliedert. In der Einleitung, in der kurz in das Thema eingeführt wird, werden des Weiteren die Problemstellung und die wissenschaftliche Relevanzbegründung der Fragestellung über Entwicklung und Tourismus in der Dritten Welt dargelegt. Außerdem wird die der Arbeit zugrunde liegende Methodik erläutert.

Im zweiten Teil der Arbeit, der die theoretische Grundlage bildet, folgen zunächst Begriffsbestimmungen und Klassifizierungen im Rahmen des zu bearbeitenden Themas sowie eine allgemeine Beschreibung der Auswirkungen des Tourismus auf Entwicklungsländer. Im Anschluss daran werden die verschiedenen Theorien in Bezug auf Entwicklung und Nachhaltigkeit vorgestellt und auf den Tourismusbereich übertragen.

Im dritten Teil wird das für die Fallstudie ausgewählte mittelamerikanische Land Costa Rica vorgestellt, wobei unter anderem auf die vorherrschenden Tourismusstrukturen des Landes eingegangen wird.

Im Abschnitt über das Konzept der nachhaltigen Entwicklung und dessen Übertragung auf den Ökotourismus in Costa Rica soll der Frage nachgegangen werden, ob und wie die Grundsätze einer nachhaltigen Entwicklung mit Hilfe des (Öko-)Tourismus in Costa Rica umgesetzt werden können und welche konkreten Auswirkungen dieser Tourismus auf das Land hat. Darüber hinaus werden die Maßnahmen der costa-ricanischen Regierung und anderer Akteure in Bezug auf eine nachhaltige Tourismuspolitik kritisch untersucht.

Im abschließenden fünften Teil der Arbeit werden die Ergebnisse der Untersuchung der Effekte des Tourismus auf das Land und die Bilanz der Umsetzungsmaßnahmen des Ökotourismuskonzeptes in Costa Rica zusammengefasst. Aus diesen Ergebnissen lassen sich bestimmte Handlungsempfehlungen für die Zukunft ableiten. Ein abschließendes Fazit mit kritischen Anmerkungen und einem Ausblick in die Zukunft bildet dann den Schluss der Arbeit.

Für eine stetig wachsende Bedeutung des Konzepts des Ökotourismus spricht, dass die Vereinten Nationen 2002 zum "Internationalen Jahr des Ökotourismus" erklärten.

Begründet wurde dies unter anderem durch enttäuschende wirtschaftliche Effekte im Sinne eines hohen Devisenabflusses und geringe trickle-down-Effekte, negative soziokulturelle und ökologische Auswirkungen sowie mit der Meinung, dass notwendige Investitionen auch vom Privatsektor im Sinne des Subsidiaritätsprinzips getragen werden könnten.

Karl Vorläufer warnt bei diesem Punkt, dass vom Tourismus schneller, aggressiver, und tiefergreifend als von anderen wirtschaftlichen Aktivitäten Einflüsse auf die soziokulturelle Struktur, die überkommenen Werte und Normen der "Bereisten" ausgehen können (Vorläufer 1996:4).

Das Ziel eines nachhaltigen Tourismus ist mittlerweile in zahlreichen nationalen Entwicklungsstrategien, Selbstverpflichtungen von Unternehmen und einigen internationalen Erklärungen wie zum Beispiel der "Berliner Erklärung – Biologische Vielfalt und nachhaltiger Tourismus" deklariert worden. In der Biodiversitäts- konvention der Agenda 21 wird Tourismus nur am Rande erwähnt, ist aber Gegenstand von Nachfolgekonferenzen der Vertragsstaaten gewesen (Strasdas 2001:3)


Anhang 2: Lapa Rios


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