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Theoretische Grundlage


Im Abschnitt über die theoretischen Grundlagen von Tourismus und Entwicklung soll zunächst untersucht werden, inwieweit Costa Rica als Entwicklungsland eingestuft werden kann. Darüber hinaus sollen ökonomische Daten Aufschluss über den derzeitigen Entwicklungsstand des Landes geben.

Danach wird der Terminus Tourismus an sich genauer betrachtet und eingeführt. Hierbei muss vor allem allgemein auf die Definitionen, die geschichtliche Entwicklung, die Strukturen und weitere im Hinblick auf Tourismus wichtige Aspekte eingegangen werden.

Nachdem die positiven und auch negativen Auswirkungen des Tourismus in Entwicklungsländern generell beleuchtet werden und eine umfassende Vorstellung der verschiedenen Definitionen des Begriffs Ökotourismus vorgenommen wird, kommt es im letzten Teil dieses Abschnittes zu der Vorstellung der wichtigsten historischen und aktuellen Entwicklungstheorien sowie deren  theoretische Anwendung auf den Tourismusbereich.

Einordnung und Klassifizierung Costa Rica´s als Entwicklungsland

Bei der Durchsicht der Literatur nach Klassifizierungsmöglichkeiten für Entwicklungsländer stößt man immer auf die gleichen wiederkehrenden Probleme in der Dritten Welt. Dazu gehören vor allem eine weit verbreitete Armut, ein direkt damit in Zusammenhang stehendes hohes Bevölkerungswachstum, wirtschaftliche Krisen, eine hohe Auslandsverschuldung, ein geringes Bildungsniveau sowie häufig auftretende militärische Konflikte. Zieht man diese Kriterien zu Rate, steht Costa Rica trotz seiner Einstufung als Entwicklungsland noch relativ gut da. Es bleibt jedoch anzumerken, dass sich für den Begriff "Entwicklungsländer" keine einheitliche Definition finden lässt. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung listet gemeinsame Merkmale dieser Gebiete auf. Dazu gehören unter anderem die ungenügende Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, ein niedriges Pro-Kopf-Einkommen, schlechter Gesundheitsstand, zu wenig Bildungsmöglichkeiten, ein niedriger Lebensstandart im Zusammenhang mit einer ungleichen Verteilung von vorhandenen Gütern und Dienstleistungen sowie eine hohe Arbeitslosenquote. Die Wirtschaftsstruktur in Entwicklungsländern ist davon geprägt, dass sie vor allem im Sektor Landwirtschaft in traditionellen Strukturen verharrt, andererseits jedoch ebenfalls über einen modernen dynamischen Sektor, meist im Industriebereich, verfügt (BMZ 2000:292).

Vergleicht man diese Punkte mit den entsprechenden Daten von Costa Rica, kommt man, ohne einer exakteren Vorstellung Costa Rica´s im politischen, wirtschaftlichen und sozialen Bereich in Punkt 3.1 dieser Arbeit vorzugreifen, zu folgenden Resultaten.

Costa Rica besitzt alles in allem eine stabile Wirtschaft, die hauptsächlich auf Tourismus, Landwirtschaft und Exporte im Elektronikbereich ausgerichtet ist. Die  Verarmung der Bevölkerung konnte in den letzten 2 Dekaden vermindert werden, was sich an der relativ geringen Arbeitslosenquote von geschätzten 6,3 % im Jahre 2002 ablesen lässt (CIA World Fact Book, 2003). Das Land ist von Bürgerkriegen und militärischen Konflikten in den letzten 50 Jahren verschont geblieben und gilt in dieser Hinsicht als Musterland in ganz Lateinamerika.

Auf der anderen Seite kämpft das Land mit extremen Problemen im traditionellen landwirtschaftlichen Bereich. Hauptsächlich der Verfall der Kaffeepreise auf den internationalen Märkten und ein weltweites Überangebot an Bananen macht der costa-ricanischen Volkswirtschaft zu schaffen, wenn man bedenkt, dass noch über 20% der Bevölkerung im Landwirtschaftssektor tätig ist. Weitere Hauptprobleme stellen die hohe Inflationsrate von 9,1% und die hohe Auslandsverschuldung von etwa 4,8 Milliarden Dollar dar.

Obwohl Costa Rica im Vergleich mit anderen Ländern der Dritten Welt eindeutig besser dasteht, kann das Land jedoch zweifelsohne als Entwicklungsland klassifiziert werden. Die Bundesrepublik Deutschland orientiert sich bei der Vergabe ihrer Entwicklungshilfe an einem Verzeichnis von Ländern des Entwicklungshilfeausschusses der OECD. Diese Organisation, der DAC, unterscheidet zwischen OECD-Ländern und Nicht-OECD-Ländern. Seit einigen Jahren existiert eine neue DAC-Liste, die in zwei Teile gegliedert ist. In der ersten Liste werden "klassische" Entwicklungsländer der Dritten Welt aufgelistet, zu denen unter anderem die so genannten Least Developed Countries (LDC´s), also die am wenigsten entwickelten Länder der Erde zählen. Die andere  Liste führt Staaten auf, die auf einer schon fortgeschrittenen Stufe der Entwicklung stehen. Hierzu gehören unter anderem die Länder aus dem ehemaligen Ostblock. Öffentliche Hilfe an Länder, die der zweiten Liste angehören, zählt offiziell nicht als Entwicklungszusammenarbeit im engeren Sinne. Die OECD  beziehungsweise das DAC stuft Costa Rica aktuell in die Kategorie der "Liste 1 – Länder" ein.


Begriffe und Klassifizierungen
Unter dem Punkt "Begriffe und Klassifizierungen" soll im Folgenden der Begriff Tourismus analysiert werden. Hierbei wird auf die historische Entwicklung, Definitionen und Strukturen von Tourismus und Ökotourismus und besonders auf deren Auswirkungen im Hinblick auf Entwicklungsländer eingegangen. Des Weiteren soll das Verhältnis von Tourismus und Globalisierung genauer beleuchtet werden.

Tourismus

Die historische Entwicklung des Tourismus

Der Begriff "Tourist" tauchte erstmals um das Jahr 1800 auf.  Ein Tourist wurde zu jener Zeit als "ein Individuum, das an der Freude am Reisen an sich reist" definiert (Ceballos-Lascuráin, 1996:1). Obwohl der Terminus "Tourismus"  erst im Jahre 1811 zum ersten Mal im Oxford English Dictionary auftauchte, lassen sich seine Wurzeln bedeutend länger in die Vergangenheit zurückverfolgen. Die Frühformen des heute bekannten Tourismus setzten bereits zu Zeiten des Römischen Reiches ein, als wohlhabende Bürger das alte Ägypten und Griechenland bereisten, um dort heilige Stätten oder berühmte Thermalbäder zu besuchen.

Im Mittelalter dann konzentrierten sich die touristischen Reiseaktivitäten der Menschen hauptsächlich auf religiöse Ziele. Diese Pilgerfahrten, die noch heute je nach Konfession zu Zielen wie Santiago de Compostela in Spanien oder Mekka in Saudi-Arabien führen, schufen schon vor Hunderten von Jahren enorme touristische Infrastrukturen für die Reisenden in Form von Transport, Verpflegung oder Unterkunft.

Jedoch dauerte es bis kurz um die Zeit der Renaissance, bis hauptsächlich begüterte europäische Aristokraten in größerer Anzahl aus reinem Vergnügen oder Wissensdrang anfingen, den europäischen Kontinent zu bereisen. Die so genannte "Grand Tour" wurde extrem populär und so kam es nicht selten vor, dass zum Beispiel englische Grafen oft jahrelang die antiken Stätten Griechenlands und Italiens sowie europäische Metropolen wie Paris, Madrid, Wien oder Berlin bereisten.

Im Rahmen der Industrialisierung erlebte der Tourismus seinen ersten beträchtlichen quantitativen Aufschwung.

  "Moreover, widespread social and technological developments helped to create a new

middle class that could afford travel for pleasure” (Wood/House,  1991:36)

Vor allem die rasante Entwicklung im Transportbereich, wie zum Beispiel die Entwicklung von Langstreckenflugzeugen oder auch relativ preiswert zu erstehende Automobile führten dann letztendlich zum Phänomen des Massentourismus. Immer mehr Menschen aus den Industrieländern konnten es sich leisten,  einen Teil des Jahres als Tourist im In- oder Ausland zu verbringen. Gab es 1970 schon etwa 150 Millionen Menschen, die ins Ausland reisten, waren es zur Jahrtausendwende geschätzte 600 Millionen weltweit.


Definitionen von Tourismus

Das Konzept Tourismus ist ein sehr weitreichendes Spektrum. Welche Aktivitäten fallen genau unter den Bereich Tourismus? Ist es der zweiwöchige Urlaub der Durchschnittsfamilie an der italienischen Adriaküste, der Geschäftsmann, der zwischen zwei Terminen die lokalen Sehenswürdigkeiten besichtigt, der Tagesausflügler im Schwarzwald oder der Praktikant einer Entwicklungshilfeorganisation in Peru? Tourismus beinhaltet eine Fülle von Mischformen. Dies führt unvermeidlich zu einer Vielzahl von Definitionen, von denen einige hier vorgestellt werden sollen.

In Westermann´s Lexikon der Geographie heißt es:

           "Tourismus umschließt die Gesamtheit der Vorgänge, Erscheinungen und Beziehungen, die sich aus Reise und vorübergehendem Aufenthalt Ortsfremder zur Erholung im weitesten Sinne ergeben. Während sich die Wirtschaftswissenschaften vorwiegend auf die wirtschaftlichen Aspekte des Tourismus konzentrieren, untersucht die Geographie des Tourismus oder Fremdenverkehrs als Zweig der Wirtschaftsgeographie mit vielfältigen Methoden die Eignung von Räumen für den Touristen und seine Wirkung auf Gestaltung, Wirtschaftsentwicklung und Umformung der Räume" (Westermann, 1972:646).

Eine weitere Definition beschreibt Tourismus als freiwilligen Aufenthalt außerhalb der Wohn- und Arbeitswelt. Der Tourismus lebt vom ständigen Turnus, also von ständigen Wiederholungen. Der Tourismus bezieht seine Dynamik aus dem Kreislauf von Bedürfnisbefriedigung und fortlaufender Weckung ungestillter Wünsche (Scholz und Beier 1997:42)

Während die OECD  Tourismus als Reiseverkehr bezeichnet, der über 24 Stunden hinausgeht und lediglich der Erholung dient, definiert die World Tourism Organisation (WTO) "alle Menschen als Touristen, die als Ausländer eine Staatsgrenze überschreiten und sich mindestens 24 Stunden im Land aufhalten, nicht aber Transitreisende, Arbeitnehmer, Flüchtlinge und so weiter" (Ellenberg, Scholz und Beier 1997:42). Diese Definition der WTO von Tourismus beziehungsweise Reiseverkehr soll auch im Rahmen dieser Diplomarbeit Anwendung finden


Strukturen des internationalen Tourismus

Die Nachfrage im nationalen und internationalen Tourismus besteht aus der Notwendigkeit zu reisen, aufgrund kultureller, geschäftlicher, gesundheitlicher, religiöser oder erholungsbedingter Gründe.  Der Nachfrage seitens der Touristen steht die Angebotseite in Form der internationalen Tourismusindustrie gegenüber. Jedoch kann man bei der Tourismusindustrie nicht von einem traditionellen Industriezweig ausgehen. Aus wirtschaftlicher Sicht wird ein Industriezweig als eine Gruppe unabhängiger Firmen definiert, die alle dasselbe, also von anderen substituierbare Produkt produzieren (Davidson, 1998:23ff.).

Jedoch umfasst Tourismus nicht nur ein einziges Geschäftsfeld, sondern ist weit vielfältiger strukturiert. Freyer (1998) unterteilt die Tourismusindustrie in vier verschiedene Spezialisierungsgrade:

1.      Zunächst gibt es die Tourismuswirtschaft im engeren Sinne. Hierunter fallen sämtliche Tourismusbetriebe, welche jene Leistungen anbieten, die allein von Touristen nachgefragt werden, wie zum Beispiel das Transportwesen, Unterkünfte, Gastronomie oder Reiseagenturen.

2.  Bei der ergänzenden Tourismuswirtschaft handelt es sich um an sich untypische Firmen oder Betriebe, sie sich aber auf den Fernverkehr spezialisiert haben. Hierzu gehören unter anderem  Banken, Kreditkartenfirmen, Versicherungen und Reisebuchverlage.

3.  Der dritte Sektor wird als die touristische Randindustrie bezeichnet. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass ihre Produkte und Dienstleistungen eher tourismus-unspezifisch sind, jedoch abhängig von Touristen. Als Beispiele dienen Tankstellen oder Apotheken.

4.  Abschließend spricht man noch von Zulieferern für touristische Betriebe wie Bauunternehmer oder Produzenten von Lebensmitteln.

     (Freyer 1995:111ff.)

Diese spezifische Aufteilung erklärt nicht zuletzt die Tatsache, dass die Tourismusindustrie als größter Industriezweig der Welt als solcher nicht wahrgenommen wird. Die extreme Zerstückelung der Reiseindustrie lässt sich darauf zurückführen, dass in diesem Wirtschaftsbereich kleine Betriebe häufiger zu finden sind als große Touristikketten oder Konzerne, da das Erreichen einer marktbeherrschenden Stellung aufgrund sehr niedriger Eintrittsbarrieren, Saisonalität und einer hohen Abhängigkeit von Mitarbeitern im Servicebereich sehr schwierig ist (Stephen, 1989:23).

Zugegeben gibt es auch in der internationalen Tourismusindustrie große Hotel- oder Restaurantketten. Diese "Ketten" haben letztendlich auch einen Vorteil aufgrund ihrer Markennamen, was aber nichts über die Qualität im Service aussagt. Trotz einer wachsenden Zahl von "großen Service-Ketten" sind diese im Vergleich mit kleinen, unabhängigen Betrieben in den meisten Feriengebieten eindeutig in der Unterzahl (Inman, 1997:5).


Globalisierung  und Tourismus

Für die Bevölkerung der Industrienationen ist die Welt heutzutage so zugänglich wie nie. Sie ist in der Lage, sich an jeden beliebigen Platz dieser Erde zu begeben oder zumindest sich umfassend über diese Plätze zu informieren. Dank Medien wie des Fernsehens oder des Internets sind nun auch die unzugänglichsten Regionen der Welt nicht mehr fern jeder Vorstellung. An den Schulen und Universitäten kann jede noch so exotische Sprache gelernt werden und auf Knopfdruck kann man sich mit Informationen über die Sicherheit in potentiellen Feriengebieten informieren.

Eine Welt mit schwindenden Handelsbarrieren und neuen Technologien öffnet neue Märkte für Investoren aus den Industrieländern. Für den internationalen Fremdenverkehr hat dies gewisse Folgen.

Der Ferntourismus in Entwicklungsländer setzte etwa in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts ein und erfreut sich seitdem großer und immer noch wachsender Beliebtheit. Tourismus ist wohl der Industriezweig, der die stärksten Globalisierungstendenzen aufweist.

Auffallend ist vor allem, dass transnationale Touristikkonzerne, welche zum Teil auch aus internationalen Fusionen hervorgegangen sind, immer größere Marktanteile abdecken. Diese Entwicklung bietet je nach Standpunkt Chancen, aber auch Gefahren für die Länder der 3. Welt. Vorläufer (1996) verweist zu Recht darauf, dass die Entwicklung des (Massen)-Tourismus in Entwicklungsländer ohne die Hilfe der großen Touristikkonzerne gar nicht möglich gewesen wäre. Mit ihren günstigen Pauschalangeboten bringen sie Urlauber (und somit auch Devisen) ins Land, die sonst nicht den Antrieb hätten das Land "auf eigene Faust" zu besuchen.

Auf der anderen Seite führt der Konkurrenzkampf der globalen Touristikkonzerne zu immer niedrigeren Preisen, die sich oft in geringeren Löhnen für die Angestellten in den Entwicklungsländern  niederschlagen. Außerdem können zum Bespiel, mit Verweis auf den Preiskampf, von Regierungen in den Zielländern erhobene Umweltabgaben von den Konzernen abgelehnt werden, indem man mit geringeren Investitionen droht.

Problematisch könnten sich auch die Liberalisierung des Welthandels und die Verbreitung neuer Technologien im Reservierungs- oder Marketingsystemen von Hotels oder Fluggesellschaften erweisen. Inländische mittelständische Unternehmen können sich nur schwer gegen internationale Konzerne wehren und die rasche Verbreitung neuer Technologien könnte zu einer Vergrößerung der "Know-How"-Lücke zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern führen (Seifert-Granzin/Jesupatham 1998:52)


Tourismus in Entwicklungsländern

Rein wirtschaftlich gesehen ist der globale Einfluss des internationalen Tourismus enorm. Die WTO schätzt, dass im Jahr 2005 weltweit fast 305 Millionen Menschen im Tourismusbereich beschäftigt sein werden. Tourismus wird außerdem etwa 11% des globalen Bruttoinlandsproduktes ausmachen, 1.613 Milliarden US-Dollar an Investitionen veranschlagen und 1.3 Billionen US-Dollar an Steuern erwirtschaften.

Welche Auswirkungen hat der internationale Tourismus auf Entwicklungsländer? Bei dieser Fragestellung müssen vor allem die ökonomischen, sozialen und ökologischen Effekte untersucht werden.

Die verfügbaren Daten seitens der WTO zeigen, dass auf die Entwicklungsländer, wobei Schwellenländer ebenfalls dazugezählt werden, heute etwa 154 Millionen touristische Ankünfte entfallen. Das entspricht etwa 25% des gesamten internationalen Fremdenverkehrs und mit circa 110 Mrd. US-Dollar etwa 25% der mit dem Tourismus weltweit erwirtschafteten Brutto-Deviseneinnahmen (WTO, 1998:12). 1996 waren ungefähr über 50 Millionen Menschen in der 3. Welt direkt, also in Hotels und sonstigen Servicebereichen, in der Tourismusbranche beschäftigt (Nuscheler 1996:298).

Jedoch lässt sich bei genauerer Betrachtung ein starkes Gefälle in Bezug auf die unterschiedlichen Einnahmen durch den Tourismus innerhalb der Dritten Welt, erkennen. Auf der einen Seite befinden sich die touristisch weiter entwickelten Regionen in Ost- und Südost-Asien sowie der zentralamerikanische Raum, zu dem neben Panama, Nicaragua, Honduras, El Salvador, Guatemala, Belize auch Costa Rica zählt. Es liegt auf der Hand, dass viele Inselstaaten im Pazifischen Ozean und in der Karibik, im Vergleich zu ihrer Größe, aufgrund ihrer natürlichen Schönheit touristisch am weitesten entwickelt sind.

Auf der anderen Seite fallen große Teile Zentralasiens und des Mittleren Ostens weit ab. Auf dem afrikanischen Kontinent, der nicht nur die meisten Entwicklungsländer, sondern auch die meisten LDC – Länder beheimatet, lässt sich außer in Südafrika und Namibia sowie bei den vor allem bei europäischen Touristen beliebten Mittelmeeranrainerstaaten wie Marokko, Tunesien oder Ägypten eine eher geringe touristische Entwicklung feststellen

Tabelle 1:

Wichtige Entwicklungsländer-Destinationen im internationalen Tourismus (1996).

Land      
22.765 10.200 6.3%

Türkei

7.966

5.962

20.5%

Thailand

7.192

8.664

13.5%

Indonesien

5.034

6.087

10.9%

Südafrika

4.944

1.995

6.6%

Argentinien

4.268

4.527

16.1%

Tunesien

3.855

1.541

20.8%

Ägypten

3.528

3.204

47,5%

Marokko

2.693

1.381

16,7%

Brasilien

2.666

2.469

4.9%

Indien

2.288

2.963

8.2%

Philippinen

2.049

2.700

11.7%

Dom. Republik

1.926

1.842

69.3%

Kuba

999

1.231

43.5%

Costa Rica

781

689

19%

Kenia

717

474

18.7%

Mauritius

487

503

22.2%

Ecuador

482

281

5.4%

Namibia

410

208

13.3%

Nepal

394

117

23.3%

Fidschi

340

299

29.3%

Ghana

305

249

14.8%

 

Land

Ankünfte

(1000)

Einnahmen (Mio. USD)

Anteil Tourismus an Deviseneinnahmen

China
22.765
10.200
6.3%
Türkei
7.966
5.962
20.5%
Thailand
7.192
8.664
13.5%
Indonesien
5.034
6.087
10.9%
Südafrika
4.944
1.995
6.6%
Argentinien
4.268
4.527
16.1%
Tunesien
3.855
1.541
20.8%
Ägypten
3.528
3.204
47,5%
Marokko
2.693
1.381
16,7%
Brasilien
2.666
2.469
4.9%
Indien
2.288
2.963
8.2%
Philippinen
2.049
2.700
11.7%
Dom. Republik
1.926
1.842
69.3%
Kuba
999
1.231
43.5%
Costa Rica
781
689
19%
Kenia
717
474
18.7%
Mauritius
487
503
22.2%
Ecuador
482
281
5.4%
Namibia
410
208
13.3%
Nepal
394
117
23.3%
Fidschi
340
299
29.3%
Ghana
305
249
14.8%

Quelle: Steck/Strasdas/Gustedt 1998; Strasdas, 2001

Tabelle 1 verdeutlicht, dass der Tourismus in vielen Volkswirtschaften von Entwicklungsländern eine enorme Rolle spielt. In den Punkten 2.2.3.2, 2.2.3.3 und 2.2.3.4  dieser Arbeit soll genauer auf die ökonomischen, sozialen und ökologischen Effekte eingegangen werden. Einen kurzen Ausblick, in welchen Formen diese Auswirkungen des Tourismus in der Dritten Welt auftreten können, sollen folgende Ausführung am Beispiel karibischer Inseln zeigen:

         "Infolge der Tourismusentwicklung kam es zu einer völligen Umgestaltung der Wirtschaftsstruktur auf den karibischen Inseln und auch die Gesellschafts- und Raumstruktur sind von diesen Veränderungen betroffen. So ist zum Beispiel der Wandel in der Beschäftigungsstruktur weitreichend. Für die Touristen, die vornehmlich aus der Ersten Welt kommen, entwickelte sich auf den Inseln eine Servicegesellschaft aus abhängig Beschäftigten im Hotel- und Gaststättenbereich - Kellner, Zimmermädchen, Köche, Gärtner - sowie aus selbständigen Kleinunternehmern wie Taxifahrer, Bootsführer, Fremdenführer. Zahlreiche traditionelle Berufe werden wegen der lukrativen Stellenangebote im Tourismus aufgegeben oder von der neuen Wirtschaftsstruktur verdrängt. Die Nahrungsmittelproduktion in den Ländern des karibischen Raumes kann dem Druck billiger Importe nicht standhalten. Landwirtschaftliche Produktion, auch für den Export, wird von den Regierungen nicht länger gefördert - das neue Zauberwort der Entwicklung heißt Tourismus. Die handwerkliche Produktion geht wegen sinkender Nachfrage immer weiter zurück, lediglich das Baugewerbe erlebt einen nie erwarteten Boom. Der Tourismus benötigt eine gute Infrastruktur, nicht nur Hotels, sondern auch Straßen, Wasser- und Stromversorgung, Telekommunikation, Fluganbindung oder Hafenanlagen für Yachten, Kreuzfahrtschiffe und Ausflugsboote. Dies führt zu starken Veränderungen in der Raumstruktur der Inseln. Zwar konzentriert sich die Neugestaltung auf die Küstenabschnitte, an denen das Tourismusgeschäft blüht, sowie auf die Infrastruktureinrichtungen entlang der Zu- und Abwege zu diesen Gebieten, aber die Entwicklung ist auch für die ansässige Bevölkerung vorteilhaft. Die Renovierung von Straßenzügen, die Restaurierung von Ruinen oder historischen Stätten, die Ausstattung mit Nationalparks oder auch die Verbesserung der Arzt- und Krankenhausdienste, all dies leistet ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung." (Ellenberg/Scholz/Beier, 1997: 49).


Akteure im Dritte-Welt-Tourismus
Die Akteure des Tourismus in Entwicklungsländern lassen sich unterteilen in Nachfrager, Anbieter, Angestellte, Tourismusorganisationen und Bereiste. Diese fünf Akteure oder Akteursgruppen haben verschiedene Interessen und müssen darüber hinaus in drei weitere Dimensionen unterteilt werden. Diese Dimensionen sind die internationale, die nationale sowie die lokale Ebene:

  • Nachfrager: Die Nachfrager im internationalen Tourismus in Entwicklungsländer sind die Touristen an sich. Ihr Interesse ist außer bei Geschäftsreisen nicht materiell, sondern auf das Ziel ausgerichtet, das Preis-Leistungsverhältnis ihrer Reise zu maximieren. Die Touristen stammen größtenteils aus den Industrienationen.
  • Anbieter: Hierbei handelt es sich um Tourismusunternehmen der verschiedensten Art. Ihr Interesse ist rein wirtschaftlich. Auf der internationalen Ebene sind diese Anbieter unter anderem Reisebüros, Touristikkonzerne oder Fluggesellschaften. Auf der nationalen Ebene sind die Anbieter zum Beispiel Hotels, Restaurants oder inländische Transportunternehmen. Auf  der lokalen Ebene finden sich die gleichen Anbieter wie auf der nationalen Ebene wieder, plus solche aus der ergänzenden Tourismuswirtschaft und aus dem in Entwicklungsländern ausgeprägten informellen Sektor.

  • Angestellte: Auch bei den Angestellten im Tourismusbereich ist das Interesse vorwiegend ökonomisch und auf langfristige Sicherung ihres Arbeitsplatzes ausgelegt. International und national sind diese Angestellten meist hoch qualifiziertes Fachpersonal und Führungskräfte auf nationaler Ebene. Auf der lokalen Ebene handelt es sich jedoch bei den meisten Tourismusformen oft nur um Hilfspersonal und nur sehr selten um qualifiziertes Fachpersonal.
  • Organisationen: Die Tourismuswirtschaft in Entwicklungsländern ist meist nur schwach oder gar nicht organisiert. Beispiele für internationale Tourismusorganisationen sind die World Tourism Organisation (WTO) oder der internationale Unternehmensversband WTTC. National sind es staatliche Ministerien oder staatlich – private "Touristboards" . In den lokalen Dimensionen finden sich vor allem Fremdenverkehrsverbände.
  • Bereiste: Bei der Gruppe der Bereisten muss man unterscheiden, ob die Bevölkerung vom Tourismus betroffen ist und davon profitiert. Diese Gruppe steht ihm tendenziell positiver gegenüber als vom Tourismus ausgeschlossene Bereiste. Hierbei zu erwähnen sind vor allem die Akteure auf der lokalen Ebene, wie touristische Angestellte, Zulieferer, Beschäftigte im informellen Sektor aber auch     Bevölkerungsteile, die nicht am Tourismus beteiligt werden.

(Strasdas 2001:76)


Ökonomische Auswirkungen

Die wirtschaftlichen Effekte, die durch die Ausgaben der Touristen in den Ländern der Dritten Welt ausgelöst werden, sind bemerkenswert. Die Tatsache, dass die Tourismusbranche eine sehr arbeitsintensive Industrie ist, in der sich die vielen nötigen Dienstleistungen auch nur schwer automatisieren lassen, lässt darauf schließen, dass der Tourismus großes Potential hat, viele Arbeitsplätze in den jeweiligen Ländern zu schaffen. Neben der Schaffung von Arbeitsplätzen wird außerdem meist auch auf die Rolle des internationalen Tourismus als  dringend benötigter Devisenbeschaffer für Entwicklungsländer hingewiesen. Darüber hinaus muss des Weiteren noch der Multiplikator- beziehungsweise Rückkopplungseffekt beim internationalen Tourismus beachtet werden.

Jedoch können diese drei Punkte definitiv nicht durchweg positiv bewertet werden.

  •  Generierung von Arbeitsplätzen

Tourismus trägt ohne Zweifel zur Schaffung von Arbeitsplätzen bei, wobei man zwischen den Orten, an denen der Tourismus stattfindet, unterscheiden muss. Die lokale Bevölkerung hat die Möglichkeit, direkt oder indirekt in der Tourismuswirtschaft eine Beschäftigung zu finden.

Direkte Beschäftigungsmöglichkeiten lassen sich in fremdenverkehrswirtschaftlichen Einrichtungen wie Hotels, Restaurants, Reisebüros oder Souvenirläden finden, welche allein auf die touristische Nachfrage ausgerichtet sind.

Indirekt schafft Tourismus Arbeitsplätze in Betrieben, die nur indirekt von dem Geschäft mit Touristen abhängig sind. Dies trifft zum Beispiel auf Banken, Transportunternehmen, Einzelhandelsgeschäfte, die Unterhaltungsbranche oder die Gastronomie zu. Auch Bereiche wie zum Beispiel Krankenhäuser oder Apotheken, die auf den ersten Blick eher tourismusfremd sind, können von kranken Touristen profitieren (Vorläufer, 1984:98). Zu den indirekten Beschäftigungsmöglichkeiten kommt noch der so genannte investitionsbezogene Bereich dazu.  Hierbei spielt vor allem die Bauindustrie eine wichtige Rolle. Man spricht in diesem Falle von Multiplikatoren- beziehungsweise Rückkopplungseffekten. Diese Effekte lassen sich neben dem Bausektor in Bezug auf die Tourismusindustrie vor allem auch in der Ausrüstungsgüterindustrie beobachten.

Hat der Tourismus in der jeweiligen Region erst einmal Fuß gefasst, findet eine solche Rückkopplung auch in der Konsumgüterindustrie und in der Landwirtschaft statt. Ein weiteres Merkmal dieses Multiplikatoren-Effektes ist, dass das von der lokalen Bevölkerung verdiente Geld im eigenen Land wieder ausgegeben wird und somit die volkswirtschaftliche Nachfrage und den Konsum anregt.

Einen nicht geringen Einfluss hat der Tourismus auch auf den so genannten informellen Sektor. Hierbei handelt es sich oft um "Ein-Personen-Betriebe" in Form von Schuhputzern oder "fliegenden Händlern" ohne Kapitalausstattung.

Die Generierung von Arbeitsplätzen muss jedoch differenzierter betrachtet werden. Häufig handelt es sich um schlecht bezahlte und nicht anspruchsvolle Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung, während die besser bezahlten Stellen oft von Ausländern besetzt werden.

Hinzu kommt, dass der Tourismusbereich als generell nicht sehr stabil angesehen werden kann. So finden sich zum Beispiel viele Bauarbeiter, nachdem der Sättigungsprozess an Hotels in einer Gegend eingesetzt hat, plötzlich ohne Arbeit wieder.

Tourismus ist in vielen Regionen der Dritten Welt saisonal abhängig und Beschäftigungsmöglichkeiten bestehen oft nur wenige Monate im Jahr.

Internationale Krisen wie Terroranschläge oder politische Unruhen im Land können zu einem abrupten Ende der Touristenströme führen, was unweigerlich für viele Einheimische den Wegfall der Lebensgrundlage bedeutet.

Weitere ökonomische Probleme, die durch Tourismus verursacht werden können, ist der Anstieg der Preise für die lokale Bevölkerung sowie der Vorwurf von Tourismuskritikern, dass durch den Tourismus finanzielle Mittel für Investitionen gebunden werden, die eher geringe Entwicklungsimpulse für die Landwirtschaft und andere Industriebereiche versprechen.

  • Devisen

Eine der gewichtigsten wirtschaftspolitischen Anstrengungen aller Länder ist die Verbesserung ihrer Zahlungsbilanz. Die meisten Nationen haben einen steigenden Importbedarf vor allem an fossilen Brennstoffen, dem eine oft geringe Exportquote gegenübersteht. Entwicklungsländer erzielen den Hauptteil ihrer Devisen durch den Export von mineralischen und landwirtschaftlichen Exportgütern, deren Preise auf dem Weltmarkt seit Jahren fallend sind. Aufgrund der hohen Verschuldung vieler Länder der Dritten Welt brauchen diese Staaten mehr Devisen als früher, da sie ihre Verbindlichkeiten in harten Währungen zurückzahlen müssen.

Für  viele Länder der Dritten Welt ist der Tourismus heute die wichtigste Einnahmequelle für Devisen. Die Exportware im Tourismus sind Dienstleistungen, die mit Devisen bezahlt werden.

"Tourist service export is the major source of strong foreign currency entrance to most of developing countries, more important than traditional exporting products” (WTO, 1997:5).

Ein großes Problem, mit dem die Entwicklungsländer in der Dritten Welt zu kämpfen haben, ist die hohe "Sickerrate" oder auch "Leakage"-Rate der Devisen, die durch die Touristen ins Land kommen. Unter der "Leakage"-Rate versteht man das Zurückfließen eines Teils der erwirtschafteten Devisen in die Industriestaaten, um die gewünschten Importe für die Touristen und die Reiseunternehmen bezahlen zu können. Ein Hauptteil dieses "Leakage" besteht aus Zahlungen von Hotels an internationale Touristikunternehmen in Form von Kommissionen, von Import von Getränken und Speisen, von Zinsen an internationale Banken oder auch von Gehältern an ausländische Angestellte.

"The World Bank estimates that 55% of gross tourism revenues to the developing world actually leak back to developed countries” (Boo, 1990:XV).

Die Höhe der Sickerrate hängt zu einem großen Teil davon ab, wie differenziert die Wirtschaftsstruktur in dem jeweiligen Land ist. Je höher die Möglichkeit einer gewissen Selbstversorgung an Konsumgütern, desto niedriger die "Leakage"- Rate. Das bedeutet aber auch, dass die ärmsten und am meisten unterentwickelten Länder auch die höchste "Sickerrate" an Devisen haben.


Tabelle 2:

Deviseneffekte

Nettodeviseneffekt

Ländergruppe

0-10%

Länder mit völliger Importabhängigkeit

10-50%

Länder mit großer Importabhängigkeit

50-70%

Länder, die Luxusgüter und wenig Verbrauchsgüter importieren

70-90%

Länder, die sich ausschließlich auf den Export von Luxusgütern beschränken


Quelle: Cleverdon, 1979Auch die Form des Tourismus kann eine Rolle spielen. So kann davon ausgegangen werden, dass die "Leakage"- Rate bei Abenteuer- Natur- oder Ökotourismus geringer ist als bei einem reinen Bade- und Erholungsurlaub.

Soziokulturelle Auswirkungen

In der Literatur über die soziokulturellen Auswirkungen von Tourismus auf Entwicklungsländer überwiegt die Einschätzung, dass Tourismus hauptsächlich negative Effekte auf die Bevölkerung des bereisten Landes hat. Nach wie vor ist aber in der sozialwissenschaftlichen Tourismusforschung wenig bekannt über eine mögliche kausale Wirkung zwischen Tourismus und soziokulturellen Veränderungen und über entwicklungspolitische Wirkungen dieser Effekte (Leffler, 1992:11). Dies liegt vor allem daran, dass die Art und der Umfang des Tourismus in den verschiedenen Ländern zu verschieden sind. Auch die Verfassung des bereisten Landes in Form von religiösen Rahmenbedingungen, Zivilisationsstand oder auch der Grad der Ablehnung westlicher Werte spielt eine wichtige Rolle. Selbst innerhalb der Bevölkerung kann differenziert werden. Für einen Teil können die Auswirkungen positiv sein, für einen anderen negativ und andere Teile der Bevölkerung bleiben von möglichen Effekten ganz verschont.

Wilson (1993) betont, dass bei der Untersuchung von soziokulturellen Effekten des Tourismus auf Entwicklungsländer der Zeitfaktor verstärkt berücksichtigt werden müsse. Vermeintlich negative Effekte können nach Jahren zu positiven Auswirkungen werden und umgekehrt. Erschwert wird die Frage nach den Auswirkungen dadurch, dass viele Entwicklungsländer auch ohne Tourismus einem Prozess des sozialen Wandels unterliegen (Wilson, 1993:236ff.).

Zu den positiven Annahmen über soziokulturelle Auswirkungen des Dritte-Welt-Tourismus gehören eine eventuelle "soziale Mobilisierung" (Deutsch, 1970:333) der Bevölkerung mit der Folge des Abbaus von traditionellen sozialen Schichten, der Demokratisierung oder einer zunehmenden Emanzipation von Frauen. Des Weiteren wird das Schlagwort Völkerverständigung im Zusammenhang mit Tourismus immer wieder angeführt, wobei die Frage offen bleibt, ob durch die Reise in fremde Länder tatsächlich zum Beispiel Rassismus abgebaut werden kann.

Zu den negativen Folgen im soziokulturellem Bereich, welche der Tourismus zweifelsohne mit sich bringen kann, gehört, allgemein formuliert, unter anderem die Zerstörung sozialer und familiärer Strukturen, die Missachtung von lokalen Bräuchen und Traditionen, die Prostitution oder eine generelle Verringerung des Selbstwertgefühls der Einheimischen.

Eine klare Terminologie und Systematisierung von soziokulturellen Effekten stellt Lüem (1985) vor. Zum einen spricht er von Demonstrationseffekten, die noch keinen Kulturwandel beschreiben, sondern emotionale Reaktionen wie Angst oder Neid auslösen. Bei dem Identifikationseffekt werden Bestandteile der fremden Kultur übernommen. Dagegen bleiben Imitationseffekte eher an der Oberfläche und führen zu Nachahmungen einzelner Kulturelemente, ohne dass es zwingend zu Wesensveränderungen kommen muss. Akkulturationseffekte schließlich schlagen sich nicht unbedingt in konkreten veränderten Verhaltensweisen der Bevölkerung nieder, sondern treten, häufig zeitlich versetzt, zum Beispiel in Form von Veränderungen in der lokalen Architektur auf (Thiem1994:65ff.).

Abschließend muss noch darauf verwiesen werden, dass die service-orientierte Tourismusbranche hauptsächlich auf junge Angestellte baut und somit soziale Probleme für ältere Bevölkerungsschichten mit sich bringt, die in der Tourismusindustrie nur schwer eine Anstellung finden können.

 

Ökologische Auswirkungen

Einer der deutlichsten negativen Effekte für die Umwelt durch den internationalen Tourismus wird häufig übersehen. Die Belastung der Erdatmosphäre durch Flugreisen ist eindeutig nachgewiesen. Der internationale Flugverkehr produziert zurzeit etwa 3% der globalen CO²-Emmission, trägt aber aufgrund der Flughöhe wohl das Doppelte zum Treibhauseffekt bei (Schallböck 1997:93). Diese Zahlen sind in Anbetracht dessen, dass nur ein sehr geringer Teil der Weltbevölkerung fliegt und der Ferntourismus in der Zukunft weiter wachsen wird, nicht zu unterschätzen. Des Weiteren konzentriert sich der Ferntourismus hauptsächlich auf Entwicklungsländer, deren Ökosysteme zum Teil als sehr sensibel einzustufen sind.

Grundsätzlich ist anzumerken, dass Tourismus und vor allem die Nachhaltigkeit desselben in einem hohen Grade von einer intakten Umwelt abhängig ist. Kein Urlauber bucht ein Hotel mit einem verschmutzten Strand.

Auf der anderen Seite lassen sich Umweltbeeinträchtigungen durch den Tourismus nicht vermeiden. Dies gilt für alle Formen des Tourismus. Jedoch ist der Grad der Beeinträchtigung von drei Faktoren abhängig. Zum einen spielt die Anzahl der Besucher in der Zielregion und die Intensität ihrer Nutzung eine Rolle. Zum anderen muss zwischen den verschiedenen touristischen Nutzungsarten wie zum Beispiel Badeurlaub, Ökotourismus oder Jagdtourismus unterschieden werden. Schließlich tragen ebenfalls die mit dem Tourismus in Verbindung stehenden Dienstleistungen und Bauten zu einer Beeinträchtigung der Umwelt bei.

"Overcrowding, misuse of natural resources, the construction of buildings and infrastructure, and other activities associated with tourism produce impacts on the environment. (…) In general, the impacts of tourism vary according to the number and nature of tourists and the characteristics of the site. The individual tourist normally has relatively small impact. Problems arise, however, if the number of tourists is large or the resource overused” (Ceballos-Lascuráin 1996:55).

Die Auswirkungen des Tourismus auf die Umwelt können in zwei Kategorien gefasst werden: direkte und indirekte Beeinträchtigungen der Umwelt. Unter die direkten Beeinflussungen fallen die Schädigung von Flora und Fauna, der Böden, der Beeinträchtigung der Wasserqualität und die Veränderung der ursprünglichen Landschaft.

Indirekte Schäden für die Umwelt entstehen durch Aktivitäten, die eben auch nur indirekt mit dem Tourismus in Verbindung stehen. Dazu gehören vor allem die Bautätigkeiten der Hotel- und Gaststättenbranche oder auch die Transportindustrie.

Ein weiteres Problem ist der massive Zuzug von arbeitsuchenden Einheimischen aus anderen Teilen des Landes in oft sensible Ökosysteme.

Betrachtet man die weitreichenden wirtschaftlichen, soziokulturellen und ökologischen Auswirkungen und hierbei vor allem die aufgeführten negativen Effekte von Tourismus auf Entwicklungsländer, stellt sich die Frage, wie diesen Problemen begegnet werden kann. Bei den Punkten 2.2.4 über Ökotourismus und 2.5 über Nachhaltigkeit und Tourismus sollen die wichtigsten Konzepte vorgestellt werden.


Ökotourismus?
Seit etwa 1990 ist das Schlagwort Ökotourismus ein fester Bestandteil im gesamten Tourismusbereich. Grundsätzlich wird unter Ökotourismus die Verknüpfung von Umweltschutz und wirtschaftlichem Wachstum durch Tourismus verstanden. Das ganze Konzept basiert auf dem Gedanken von nachhaltiger Entwicklung, worauf später in dieser Arbeit eingegangen werden soll. Zunächst werden nun die Evolution des Begriffes Ökotourismus, die verschiedenen Definitionen, Kriterien, Ziele, Typen und die Akteure in dieser Form des Tourismus aufgezeigt.

Die Evolution des Begriffes

Schon im Altertum lassen sich erste Formen von Ökotourismus finden. So begab sich schon Aristoteles im Jahre 347 vor Christus auf die griechische Insel Lesbos, um dort das Unterwasserleben zu erforschen. In der jüngeren Vergangenheit waren es vor allem Wissenschaftler und Forscher wie Alexander von Humboldt, James Cook, David Livingstone oder Carl Lumholtz, die sich in entlegene Gegenden dieser Erde begaben, um dort neue Landschaften, Lebensformen und Kulturen zu entdecken, zu studieren und zu beschreiben (Ceballos-Lascuráin 1989:4ff). Naturreisen als Zeitvertreib wurden jedoch erst Ende des 19. Jahrhunderts bekannt und wurden selbst dann nur in verschwindend kleiner Zahl veranstaltet.

Als nach dem Zweitem Weltkrieg langsam das Phänomen des Massentourismus einsetzte, führte dies auf der einen Seite dazu, dass breite Bevölkerungsschichten der entwickelten Länder nun in der Lage waren in den Urlaub zu fahren. Auf der anderen Seite traten in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts die ersten negativen Begleiterscheinungen wie enorme Umweltbelastungen oder kulturelle Probleme durch Tourismus auf. In dieser Zeit hatten auch die ersten Bewegungen zum Schutze der Umwelt ihren Ursprung. Organisationen zur Erhaltung der Natur fanden hauptsächlich in den Industrienationen erheblichen Zulauf und forderten die Schaffung von Schutzgebieten, die nicht nur touristisch genutzt werden oder als Rückzugsraum für einige gefährdetet Tierarten dienen sollten, sondern zum Erhalt ganzer Ökosysteme beitragen würden. Der Begriff "ecotourism" wurde schon 1965 geprägt und wird als Bestandteil von "ecodevelopment" begriffen. Es handelt sich hierbei um einen ganzheitlich und ökologisch orientierten Ansatz ökonomischer Entwicklung (Vorläufer 1996:225).

Die nun vorgestellten Definitionen des Begriffes Ökotourismus gehen alle in diese Richtung.

 

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