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Definitionen und Prinzipien von Ökotourismus

Das Konzept des Ökotourismus überschneidet sich inhaltlich mit vielen anderen Formen des naturbezogenen Tourismus. Abgrenzungen sind teilweise nur schwer möglich. Die folgenden Definitionen sollen jedoch die Hauptprinzipien und Kernelemente von Ökotourismus an die Oberfläche bringen.

Ceballos-Lascuráin definiert Ökotourismus 1991 folgendermaßen:

"Unter Ökotourismus versteht man den Besuch eines relativ ungestörten natürlichen Gebietes mit dem Ziel, die Landschaft, Flora und Fauna zu sehen, zu bewundern und zu studieren – ebenso wie die kulturellen Aspekte der Vergangenheit und Gegenwart in dem betreffenden Gebiet. Ökotourismus bedeutet außerdem, dass die lokale Bevölkerung in diesen Prozess mit einbezogen wird und dass sie ökonomischen Gewinn daraus zieht. Dies impliziert, dass strikte Richtlinien von den zuständigen Institutionen vorgegeben werden, um den negativen Einfluss des Tourismus auf Natur und Kultur zu minimieren (Ceballos-Lascuráin in Ellenberg, Scholz, Beier 1997:55)."

Eine kürzere Definition wählt die 1990 gegründete Ecotourism Society (TES) :

"Ökotourismus ist eine verantwortungsvolle Form des Reisens in naturnahe Gebiete, die zum Schutz der Umwelt und zum Wohlergehen der lokalen Bevölkerung beiträgt (TES in Ellenberg, Scholz, Beier 1997:56)."

Die Abgrenzung des Ökotourismus von Naturtourismus soll in den folgenden Definitionen deutlich werden.

Wolfgang Strasdas sieht in Naturtourismus "eine Form des Reisens in naturnahe Gebiete, bei dem das Erleben von Natur im Mittelpunkt steht" (Strasdas 2001:6). Hierbei kann Naturtourismus als Oberbegriff für Ökotourismus bezeichnet werden. Strasdas sieht Ökotourismus durch seine ausgeprägte programmatische Komponente als ein Entwicklungskonzept und stellt in der von ihm gewählten Definition die Prinzipien dieses Konzepts vor:

"Ökotourismus ist eine Form verantwortungsbewussten Reisens in naturnahe Gebiete, bei dem das Erleben von Natur im Mittelpunkt steht. Ökotourismus minimiert negative ökologische und soziokulturelle Auswirkungen, trägt zur Finanzierung von Schutzgebieten oder Naturschutzmaßnahmen bei und schafft Einkommensmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung. Indirekt soll Ökotourismus die Naturschutzakzeptanz relevanter gesellschaftlicher Akteure erhöhen" (Strasdas 2001:6).

Ähnlich sieht der Arbeitsgruppe Ökotourismus die Abgrenzung zwischen Naturtourismus und Ökotourismus. Bei ihnen ist Naturtourismus ein "spezielles Nachfragesegment, welches sich dadurch auszeichnet, dass naturbezogene Aktivitäten in attraktiven naturnahen Landschaften, bevorzugt in Schutzgebieten, ausgeübt werden. Das Spektrum reicht von Wissenschaftstourismus über Tierbeobachtungen und Naturphotographie bis hin zu konsumtiven Aktivitäten (Fischen, Jagen) sowie Sport und Abenteuertourismus (AGÖT, 1995:21ff).

Diese Definition für Ökotourismus ist hingegen eher kurz gefasst:

"Unter Ökotourismus werden Formen von Naturtourismus verstanden, die in verantwortungsvoller Weise negative Umweltauswirkungen und soziokulturelle Veränderungen zu minimieren suchen, zur Finanzierung von Schutzgebieten beitragen und Einkommensmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung schaffen (ebenda)."

Die Verwendung des Begriffes Ökotourismus wird im Folgenden sich an der Definition von Strasdas (2001) orientieren, die die Prinzipien und Grundsätze von Ökotourismus mit am ausführlichsten herausarbeitet.

 

Die Ziele und Kriterien von Ökotourismus

Die vier Kriterien, inwieweit sich Ökotourismus auf eine Region bei richtiger Anwendung auswirken soll, sind die Verträglichkeit des Tourismus, die Unterstützung des Naturschutzes, die Unterstützung der lokalen Bevölkerung sowie eine Erhöhung der Naturschutzakzeptanz bei den Einheimischen und bei Entscheidungsträgern.

Genauso wie die Kriterien lassen sich auch die drei wichtigsten Hauptziele von Ökotourismus aus den beschriebenen Definitionen ableiten:

1. Die Verträglichkeit des Tourismus

Unter Verträglichkeit versteht man die ökologische Verträglichkeit sowie die soziokulturelle Verträglichkeit.

Dieser Punkt ist eine der Hauptvoraussetzungen bei allen Formen von nachhaltigen Tourismusformen, als welche sich Ökotourismus versteht. Wichtig hierbei sind die Minimierung von externen Eingriffen sowie die Einbindung der betroffenen lokalen Bevölkerung.

2. Der sozioökonomische Nutzen von Tourismus

Ökotourismus muss zunächst rentabel sein, um daraus einen ökonomischen Nutzen für die Einheimischen zu ziehen, aber auch um das Interesse von potentiellen Investoren zu wecken.

Des Weiteren muss Ökotourismus zur Finanzierung von Naturschutzprojekten oder von Schutzgebieten beitragen. Die Maximierung des wirtschaftlichen Nutzens ist somit im Interesse des Naturschutzes.

Außerdem muss Ökotourismus der lokalen Bevölkerung Einkommensmöglichkeiten schaffen und muss neben dem ökonomischen Nutzen ebenfalls auch einen sozialen Nutzen für die Betroffenen haben.

3. Die Erhöhung der Naturschutzakzeptanz

Neben der Unterstützung und Finanzierung von Schutzgebieten ist dies ein wichtiger Punkt in Bezug auf Naturschutz durch Ökotourismus. Diese Erhöhung der Akzeptanz basiert auf dem wirtschaftlichen Nutzen durch Ökotourismus, von einem erhöhten Umweltbewusstsein und auf politischen Entscheidungen.

(Strasdas 2001:9ff )



Typen von Ökotourismus

Betrachtet man das Segment des Ökotourismus genauer, lassen sich die Typen von Touristen in verschiedene Kategorien mit verschiedenen Interessen einordnen. Die folgende Auflistung von Ökotourismus-Typen lehnt sich an die Kategorisierung von Inman (1997) an.

Unter "Hard Ecotourism" versteht man einen Tourismus, der strikt auf ein wissenschaftliches Interesse an der Natur ausgelegt ist. Diese Form von Ökotourismus ist relativ preisintensiv, da Transporte in sehr entlegene Gegenden und spezielle Führer von Nöten sind.

Die zweite Form ist der so genannte "General or Soft Ecotourism". Hierbei handelt es sich um Touristen, die die Flora und Fauna in ihrer natürlichen Umgebung beobachten wollen. Sie beschränken sich hauptsächlich auf Wanderungen, teilweise werden aber auch ähnliche Aktivitäten wie im "Hard Ecotourism" unternommen, sind dann aber weniger intensiv und nicht in dem Maße auf Bildung ausgelegt. Touristen aus dieser Kategorie verbringen nach ihrem Ökotourismusurlaub oft noch eine Woche Strandurlaub. Diese Form von Ökotourismus ist die verbreiteste und die am schnellste wachsende in diesem Segment.

Die dritte Gruppe besteht aus Anhängern des "Adventure Ecotourism", die vor allem relativ risikoreiche Sportarten wie Surfen, Tiefseetauchen, Rafting, Hochseefischen, Kayakfahren oder Bungeejumping betreiben. Normalerweise gehören dieser Sparte Touristen an, die sich nur in einem geringen Maße für das Ökosystem, in dem sie ihre sportlichen Aktivitäten betreiben, interessieren. Jedoch sind sie grundsätzlich bereit sich über den Naturschutz in dem Gebiet zu informieren und einen gewissen Beitrag dafür zu leisten, ihr Hobby auch in Zukunft in einer intakten Umwelt zu pflegen.

Die letzte Kategorie umfasst die Touristen aus dem Segment "Educational Ecotourism". Dieses sind zum Beispiel von Universitäten organisierte Reisen, die der Untersuchung von umwelt- und naturrelevanten Fragen dienen. Es handelt sich hierbei meistens um Wissenschaftler, die eine längere Zeit im Land bleiben und Forschung betreiben.

Ergänzend ist anzumerken, dass alle Formen von Ökotourismus im oberen Bereich des Preisniveaus liegen und dementsprechend besonders von gut oder sehr gut verdienenden Touristen betrieben werden.



Akteure im Ökotourismus

Ebenso wie bei den Akteuren von herkömmlichem Tourismus in Entwicklungsländer müssen auch die Akteure im Ökotourismus in die globale, nationale und die lokale Ebene aufgeteilt werden.

  • Akteure auf der globalen Ebene

Hierzu zählen internationale Naturschutzorganisationen wie der WWF oder TNC, supranationale Tourismusorganisationen wie die WTO, die den Ökotourismus als Nischenprodukt in der internationalen Tourismusbranche etablieren will, Entwicklungszusammenarbeitsorganisationen wie die GTZ, die US-Aid oder die Weltbank, die alle ein Interesse an nachhaltiger Entwicklung und Naturschutz in dem jeweilig betroffenen Land haben.

Auf der anderen Seite stehen die Akteure mit einem ökonomischen Interesse, wie internationale (Öko)-Tourismusunternehmen und deren Verbände, wie der WTTC oder der ATC.

Schließlich bleiben noch die internationalen Naturtouristen zu erwähnen, die keine materiellen Interessen verfolgen und auch auf der lokalen Ebene zu finden sind.

  • Akteure auf der nationalen Ebene

Auf der nationalen Ebene spielt vor allem die nationale Regierung beziehungsweise das entsprechende Tourismus- oder Wirtschaftsministerium eine Rolle. Diese Akteure hoffen vor allem auf eine Diversifizierung der einheimischen (Tourismus-)Wirtschaft und auf eine Unterstützung für ihre eingerichteten Nationalparks und Schutzgebiete.

Wirtschaftliche Interessen verfolgen hingegen internationale Tourismuskonzerne und nationale Natur- oder Ökotourismusunternehmen.

Darüber hinaus verfolgen nationale Naturschutzorganisationen beziehungsweise Ökotourismusorganisationen umweltschutzbezogene Ziele. Diese haben ein Interesse an einer Förderung von verträglichem Tourismus.

  • Akteure auf der lokalen Ebene

Die Akteure, die kein rein ökonomisches Interesse auf der lokalen Ebene haben, sind die hiesigen Schutzgebiets- oder Naturparkbehörden, Nichtregierungsorganisationen, die unter anderem als Organisationen zur Durchführung der Entwicklungszusammenarbeit in der Zielregion tätig sind, sowie lokale Selbsthilfe-Organisationen, die Ökotourismus als Entwicklungsmöglichkeit sehen.

Die einheimische Bevölkerung und ansässige Naturtourismusunternehmen sehen im Ökotourismus eine Chance auf die Erschließung neuer Einkommensquellen.

(Strasdas 2001:158ff)


Theoretische Aspekte zum Entwicklungsbeitrag des Tourismus

In diesem Abschnitt sollen zunächst die wichtigsten Entwicklungstheorien für die Dritte Welt vorgestellt werden. Die Einordnung und Bestimmung der entwicklungstheoretischen Phasen ist wichtig, um die Rolle von Tourismus bestimmen zu können, da in der einschlägigen Literatur nur wenig über das explizite Verhältnis von Entwicklung und Tourismus zu finden ist.

"It is necessary to place development in within a recent historical context. This is especially important as discussions of the relationship of development to tourism is relatively spare” (Mowforth/Munt 2001:31).


Entwicklungstheorien

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges und der Unabhängigkeit vieler Kolonien wurde die Welt in zwei Teile eingeteilt. In eine entwickelte und eine unterentwickelte. Die Dritte Welt wurde "entdeckt" und rückte ins internationale Rampenlicht. Seit den 50er Jahren kamen immer wieder neue Theorien ans Tageslicht, die Wege aufzeigten sollten, wie diese wirtschaftlich unterentwickelten Länder auf das Niveau der Industrienationen geführt werden können.

Will man die wichtigsten Theoriestränge, die hauptsächlich in der Ersten Welt entwickelt wurden, in der Entwicklungsdebatte aufzählen, so müssen zunächst klassischen Theorien der Entwicklungszusammenarbeit, die Modernisierungs- und die Dependenztheorie, aufgeführt werden. Nach dem "Scheitern der großen Theorien" (Menzel, 1992) kamen alternative Entwicklungstheorien auf. Die heutige Debatte ist davon gekennzeichnet, dass aufgrund der komplexen Realität keine einheitlichen Erklärungsmuster mehr herangezogen werden. Es findet vielmehr eine Vermischung verschiedener Ansätze statt, um den Bedürfnissen der Menschen der Dritten Welt gerecht zu werden. Als dominierendes Prinzip der heutigen Entwicklungszusammenarbeit kann aber wohl das Prinzip "Hilfe zur Selbsthilfe" und die Ausnutzung "endogener" Kräfte der Entwicklungsländer angesehen werden (Fahrenhorst 1995:56ff).

Bei der folgenden kurzen Vorstellung einiger relevanter Theorien muss darauf hingewiesen werden, dass diese sich zum Teil zeitlich wie auch inhaltlich überschneiden.


Modernisierungstheorien

In den 50er und 60er Jahren wurde Entwicklungshilfe hauptsächlich als einseitiger Transfer an Kapital, Wissen und Technologie seitens der Industrienationen an die Dritte Welt gesehen. Zu dieser Zeit wurden auch Modernisierungstheorien unter dem Postulat der nachholenden Entwicklung formuliert. Mit dieser nachholenden Entwicklung ist vor allem die ökonomische Entwicklung der unterentwickelten Länder gemeint. Der wohl bekannteste Ansatz in diese Richtung ist Rostow´s "Non Communist Manifesto" (1960), der mit Hilfe eines Fünf-Phasen-Modells aufzeigen will, wie Entwicklungsländer Schritt für Schritt an das ökonomische Niveau der Industrienationen herangeführt werden können. Man wollte die Armut der Dritten Welt mit wirtschaftlichem Wachstum und dem damit in Verbindung stehendem "trickle-down-effect" bekämpfen.

"The thinking of the 1950s and early 1960s focused mainly on the concept of stages of economic growth in which the process of development was viewed as a series of successive stages through which all countries must pass. It was primarily an economic theory of development in which the right quantity and mixture of savings, investment, and foreign aid were all that was necessary to enable Third World nations to proceed along an economic growth path that historically had been followed by the more developed countries” (Todaro 1989:63).

Am Ende dieser Entwicklung sollten nach Ansicht der Verfechter dieser Ideen, demokratische und wohlhabende Nationen stehen, die in ihrer politischen, wirtschaftlichen und sozialen Struktur den USA ähneln.

Der Hauptkritikpunkt an den Modernisierungstheorien ist vor allem ihre einseitige Konzentration auf die ökonomischen Aspekte. Entwicklung muss als Prozess mit mehreren Faktoren verstanden werden. Darüber hinaus wurde relativ schnell deutlich, dass sich die gewünschten Erfolge nicht einstellen wollten.


Dependenztheorien

Obwohl die Modernisierungstheorien auch später noch nicht gänzlich aus der entwicklungspolitischen Diskussion ausgeschlossen waren und später von neoliberalen Ansätzen teilweise wieder belebt wurden, sind sie Ende der 60er Jahre von den Dependenztheorien herausgefordert worden.

Zwei Aspekte spielten bei der aufkommenden Popularität dieser Theorien eine entscheidende Rolle. Zum einen trat nach dem Ausbleiben der erhofften Erfolge der betriebenen Entwicklungspolitik in der Dritten Welt eine gewisse Ernüchterung ein, die Zweifel aufkommen ließ, ob herkömmliche Ansätze noch taugen. Zum anderen führten die Verschärfung des Ost-West-Konfliktes und zahlreiche Unabhängigkeitsbewegungen in der Dritten Welt zu einem Richtungswechsel in der Debatte über Unterentwicklung.

Vereinfacht gesagt, sah die Dependenztheorie die Entwicklungsländer als Opfer von Kolonialismus und Imperialismus an. Vor allem die Benachteiligung der Entwicklungsländer bei den "terms of trade" beim Export abhängiger Waren wie Kaffee oder Bananen stand an erster Stelle der Kritik. Um an die entwickelten Länder Anschluss zu finden, müssen Wege gesucht werden, sich aus den Abhängigkeiten gegenüber diesen zu befreien. Um dies zu erreichen, setzen die Vertreter dieser Theorie auf eine autozentrierte, also auf dem eigenen Potential des Entwicklungslandes basierende Entwicklung, was faktisch eine Abkoppelung vom Weltmarkt bedeutete. Außerdem wird eine Abkehr von kapitalistischen und marktwirtschaftlichen Prinzipien gefordert.

"Dependency theorists see a dualism between rich and the poor, the powerful and the powerless, both between and within countries, and see development as being best promoted by the favouring of domestic markets, import substitution, protectism and social reforms” (Wall, 1997:37)

Bei den westlichen Industrienationen setzten sich solche Ansätze nicht durch. Jedoch führte das Aufkommen der Dependenztheorien trotz ihrer offensichtlichen Schwächen dazu, dass bei der Entwicklungszusammenarbeit nun verstärkt auf die charakteristischen Bedingungen in Entwicklungsländern eingegangen wurde. Vor allem das Ziel der Befriedigung der vorherrschenden Grundbedürfnisse gewann an Bedeutung.

Auch die Dependenztheorien wurden schließlich größtenteils verworfen, nicht zuletzt deshalb, weil Länder, die wie Burma und zu Zeiten China und Vietnam eine strikte Abkoppelungspolitik betrieben, mit erheblichen ökonomischen Problemen zu kämpfen hatten (Wolff, 1995:222).


Alternative Entwicklungstheorien

Nachdem offensichtlich keine der beiden Großtheorien im Stande war, Erfolg versprechende Wege in der Entwicklungszusammenarbeit aufzuzeigen, kamen und kommen bis heute eine Reihe alternativer Entwicklungsansätze zum Vorschein.

Vertreter von alternativen Entwicklungstheorien setzen vor allem auf die Zufriedenstellung der Grundbedürfnisse. Die Probleme sollen an der Wurzel angepackt werden und die betroffenen Menschen in den Entwicklungsländern sollen in den Entwicklungsprozess eingebunden werden, um letztendlich selbst über ihr Schicksal zu bestimmen.

"Elements of alternative development, such as participation, have increasingly been coopted in mainstream approaches. The strength of alternative development is its regard for local development and social agency, from grassroot groups and social movements to NGOs” (Neederveen Pieterse 2001:152)

Kritiker werfen alternativen Entwicklungsansätzen vor, deren Konzentration auf die Befriedigung von Grundbedürfnissen würde von anderen Zielen wie nachhaltigem Wachstum ablenken. Außerdem seien die aufgestellten Forderungen nach einer intensiveren Beteiligung der betroffenen Bevölkerung sehr vage und politisch nur schwer umsetzbar.

Trotz dieser Kritik sind in den Grundprinzipien von alternativen Entwicklungstheorien Merkmale des in den 90er Jahren in Mode gekommenen Konzepts der nachhaltigen Entwicklung enthalten, auf das in Punkt 2.4 dieser Arbeit eingegangen wird und später auf den Bereich Tourismus übertragen werden soll.


Die Entwicklungstheorien und Tourismuskritik

Der Tourismus in Entwicklungsländern wurde im Laufe seiner Entwicklung zumeist kritisch bewertet. Diese Kritik am Dritte-Welt-Tourismus begann mit dem Einsetzen des Massentourismus in den 60er Jahren und hält bis heute an. Rückblickend kann die Debatte über Tourismus grob in fünf Phasen eingeteilt werden (Aderhold/Lassberg von/Stäbler/Vielhaber 2000). Wie bei den beschriebenen Entwicklungstheorien können sich die einzelnen Phasen inhaltlich und zeitlich überlappen. Dennoch ist ein Phasenmodell geeignet, die wichtigsten Themen der Tourismuskritik in ihrem zeitlichen Ablauf darzustellen.

1) Die Euphoriephase

Die Euphoriephase setzte Mitte der 60er Jahre ein und spiegelte die einsetzende Reiselust der Menschen aus den Industrieländern wieder. Kennzeichnend für diese Phase ist, dass der Tourismus fast ausschließlich aufgrund seiner vermeintlich positiven Auswirkungen auf die Dritte Welt bewertet wurde. Diese Bewertung basierte auf den Annahmen der zu diesem Zeitpunkt vorherrschenden Modernisierungs- und Wachstumstheorien.

"Tourism, unlike other development options such as manufacturing, mining, forestry etc., was widely perceived to be a clean and renewable industry. Because it drew upon "free” natural, historical, social, and cultural resources it was thought to be a major driving force for economic development in many LDCs because of its large potential multiplier and spillover effects on the rest of the economy and its generation of jobs for unskilled and semi-skilled workers. For LDCs with limited exploitable natural resources basis in particular, tourism was a viable development option offering an important opportunity for economic diversification” (Berno, 2001:1).

Der Tourismus sollte vor allem durch die von ihm ausgelösten Nachfrageeffekte als ein Motor für die angestrebte nachholende Entwicklung der Dritten Welt dienen.

2) Die Ernüchterungsphase

Diese Phase der Tourismuskritik setzte etwa Mitte der 70er Jahre ein, etwa zeitgleich mit dem Auftreten der Dependenztheorien. Dies ist durchaus kein Zufall, denn ebenso wie bei den Modernisierungstheorien blieben auch die vom Tourismus erhofften Entwicklungserfolge aus. Darüber hinaus wurden die negativen Auswirkungen vor allem im sozialen, kulturellen und ökologischen Bereich sichtbar. Es kam zu neuen ökonomischen Abhängigkeiten von den Industrieländern, dass man zeitweilig sogar von einer Art Neokolonialismus sprach.

"Underdeveloped countries promote tourism as a means of generating foreign exchange, increasing employment opportunities, attracting development capital, and enhancing economic independence. The structural characteristics of Third World economis, however, can detract from achieving several of these goals. But equally problematic is the organisation of the international tourist industry itself” (Britton, 1982:336).

In dieser Phase bildeten sich zwei Lager heraus. Die eine Seite hielt an den ökonomischen Wachstumstheorien fest und argumentierte, dass die Vorteile des Tourismus in der Dritten Welt die Nachteile überwögen.

Die andere Seite argumentierte auf der Basis von Imperialismus- und Dependenztheorien, forderte eine Abschottung vom internationalen Reisemarkt oder zumindest eine starke Beschränkung der Touristenzahlen (Vorläufer, 1984:6)

3) Die Aktionsphase

Ebenfalls gegen Mitte bzw. Ende der 70er Jahre setzte ein Phase ein, die von einer Versachlichung der Diskussion über das Verhältnis von Tourismus und Entwicklung geprägt war, nachdem vor allem Vertreter der Dependenztheorien den Tourismus in der Dritten Welt geradezu verteufelten.

Darüber hinaus konnte sich eine differenzierte Einschätzung hinsichtlich des ökonomischen Nutzens des Tourismus für Entwicklungsländer durchsetzen. Pauschale Verurteilungen oder Glorifizierungen wurden vermieden, da man zu der Einsicht kam, dass es letztlich eine Vielzahl von so genannten soziokulturellen Faktoren, die von Land zu Land höchst unterschiedlich ausfallen können, gibt, welche dafür ausschlaggebend sind, ob sich der Tourismus für die Entwicklung eines Landes der Dritten Welt unter dem Strich auszahlt (BMZ, 1981:25)

4) Die Organisationsphase

Die Organisationsphase zeichnet sich weniger durch ihren Inhalt aus als vielmehr dadurch, dass es in ihr zu zahlreichen Tagungen, der Bildung von internationalen Organisationen und einer sich immer weiter ausbreitenden Vernetzung im Tourismusbereich kam. Das Bedürfnis nach einer engeren internationalen Zusammenarbeit entstand aus den Erfahrungen und Erkenntnissen über den Tourismus in der Dritten Welt, die seit den 60er Jahren gesammelt werden konnten.

5) Die Widerstands- und Umsetzungsphase

Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und dem Scheitern des Kommunismus kam es auch im Tourismus im Zuge einer zunehmenden Liberalisierung der Märkte und von Privatisierungen zu einer Rückkehr zu neoklassischen Wachstumstheorien. Selbst sozialistische Länder wie Kuba oder die Volksrepublik Vietnam sehen in der Förderung des Tourismus in ihrem Land durchaus eine Gelegenheit wirtschaftlich voranzukommen.

Jedoch machte sich seit Anfang der 80er Jahre ein international verstärktes Umweltbewusstsein bemerkbar. Die Prinzipien von alternativen Entwicklungstheorien, wie die Forderung nach einer nachhaltigen Entwicklung mit der Einbeziehung der lokalen Bevölkerung, spiegelten sich dann auch in der Tourismusdiskussion wider. Alternative Tourismuskonzepte wie zum Beispiel Ökotourismus kamen auf und werden im Zusammenhang mit der Dritten Welt und Tourismus erwähnt.

"Sustainable development, with frequent associated demands for public participation and community level planning (…) can be viewed as an example of the alternative development paradigm. Ecotourism, nature tourism, appropriate tourism, ethical tourism and responsible tourism are but a few of the tourism descriptors which have emerged in recent years, which have overlapping and imprecise meanings, but which all can be grouped under the enlightment heading of alternative tourism”

(Wall 1997:37).

Unter dem Stichwort "Öko" wurde auch der Tourismus im Zusammenhang mit der Entwicklungspolitik beziehungsweise Entwicklungszusammenarbeit wieder zu einem Thema(Aderhold/von Lassberg/Stäbler/Vielhaber, 2000:58).

Im Anschluss werden die Begriffe "Nachhaltige Entwicklung" und "Nachhaltiger Tourismus" genauer untersucht.

 

Die Entwicklungstheorien und Tourismuskritik

Der Tourismus in Entwicklungsländern wurde im Laufe seiner Entwicklung zumeist kritisch bewertet. Diese Kritik am Dritte-Welt-Tourismus begann mit dem Einsetzen des Massentourismus in den 60er Jahren und hält bis heute an. Rückblickend kann die Debatte über Tourismus grob in fünf Phasen eingeteilt werden (Aderhold/Lassberg von/Stäbler/Vielhaber 2000). Wie bei den beschriebenen Entwicklungstheorien können sich die einzelnen Phasen inhaltlich und zeitlich überlappen. Dennoch ist ein Phasenmodell geeignet, die wichtigsten Themen der Tourismuskritik in ihrem zeitlichen Ablauf darzustellen.

1) Die Euphoriephase

Die Euphoriephase setzte Mitte der 60er Jahre ein und spiegelte die einsetzende Reiselust der Menschen aus den Industrieländern wieder. Kennzeichnend für diese Phase ist, dass der Tourismus fast ausschließlich aufgrund seiner vermeintlich positiven Auswirkungen auf die Dritte Welt bewertet wurde. Diese Bewertung basierte auf den Annahmen der zu diesem Zeitpunkt vorherrschenden Modernisierungs- und Wachstumstheorien.

"Tourism, unlike other development options such as manufacturing, mining, forestry etc., was widely perceived to be a clean and renewable industry. Because it drew upon "free” natural, historical, social, and cultural resources it was thought to be a major driving force for economic development in many LDCs because of its large potential multiplier and spillover effects on the rest of the economy and its generation of jobs for unskilled and semi-skilled workers. For LDCs with limited exploitable natural resources basis in particular, tourism was a viable development option offering an important opportunity for economic diversification” (Berno, 2001:1).

Der Tourismus sollte vor allem durch die von ihm ausgelösten Nachfrageeffekte als ein Motor für die angestrebte nachholende Entwicklung der Dritten Welt dienen.

2) Die Ernüchterungsphase

Diese Phase der Tourismuskritik setzte etwa Mitte der 70er Jahre ein, etwa zeitgleich mit dem Auftreten der Dependenztheorien. Dies ist durchaus kein Zufall, denn ebenso wie bei den Modernisierungstheorien blieben auch die vom Tourismus erhofften Entwicklungserfolge aus. Darüber hinaus wurden die negativen Auswirkungen vor allem im sozialen, kulturellen und ökologischen Bereich sichtbar. Es kam zu neuen ökonomischen Abhängigkeiten von den Industrieländern, dass man zeitweilig sogar von einer Art Neokolonialismus sprach.

"Underdeveloped countries promote tourism as a means of generating foreign exchange, increasing employment opportunities, attracting development capital, and enhancing economic independence. The structural characteristics of Third World economis, however, can detract from achieving several of these goals. But equally problematic is the organisation of the international tourist industry itself” (Britton, 1982:336).

In dieser Phase bildeten sich zwei Lager heraus. Die eine Seite hielt an den ökonomischen Wachstumstheorien fest und argumentierte, dass die Vorteile des Tourismus in der Dritten Welt die Nachteile überwögen.

Die andere Seite argumentierte auf der Basis von Imperialismus- und Dependenztheorien, forderte eine Abschottung vom internationalen Reisemarkt oder zumindest eine starke Beschränkung der Touristenzahlen (Vorläufer, 1984:6)

3) Die Aktionsphase

Ebenfalls gegen Mitte bzw. Ende der 70er Jahre setzte ein Phase ein, die von einer Versachlichung der Diskussion über das Verhältnis von Tourismus und Entwicklung geprägt war, nachdem vor allem Vertreter der Dependenztheorien den Tourismus in der Dritten Welt geradezu verteufelten.

Darüber hinaus konnte sich eine differenzierte Einschätzung hinsichtlich des ökonomischen Nutzens des Tourismus für Entwicklungsländer durchsetzen. Pauschale Verurteilungen oder Glorifizierungen wurden vermieden, da man zu der Einsicht kam, dass es letztlich eine Vielzahl von so genannten soziokulturellen Faktoren, die von Land zu Land höchst unterschiedlich ausfallen können, gibt, welche dafür ausschlaggebend sind, ob sich der Tourismus für die Entwicklung eines Landes der Dritten Welt unter dem Strich auszahlt (BMZ, 1981:25)

4) Die Organisationsphase

Die Organisationsphase zeichnet sich weniger durch ihren Inhalt aus als vielmehr dadurch, dass es in ihr zu zahlreichen Tagungen, der Bildung von internationalen Organisationen und einer sich immer weiter ausbreitenden Vernetzung im Tourismusbereich kam. Das Bedürfnis nach einer engeren internationalen Zusammenarbeit entstand aus den Erfahrungen und Erkenntnissen über den Tourismus in der Dritten Welt, die seit den 60er Jahren gesammelt werden konnten.

5) Die Widerstands- und Umsetzungsphase

Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und dem Scheitern des Kommunismus kam es auch im Tourismus im Zuge einer zunehmenden Liberalisierung der Märkte und von Privatisierungen zu einer Rückkehr zu neoklassischen Wachstumstheorien. Selbst sozialistische Länder wie Kuba oder die Volksrepublik Vietnam sehen in der Förderung des Tourismus in ihrem Land durchaus eine Gelegenheit wirtschaftlich voranzukommen.

Jedoch machte sich seit Anfang der 80er Jahre ein international verstärktes Umweltbewusstsein bemerkbar. Die Prinzipien von alternativen Entwicklungstheorien, wie die Forderung nach einer nachhaltigen Entwicklung mit der Einbeziehung der lokalen Bevölkerung, spiegelten sich dann auch in der Tourismusdiskussion wider. Alternative Tourismuskonzepte wie zum Beispiel Ökotourismus kamen auf und werden im Zusammenhang mit der Dritten Welt und Tourismus erwähnt.

"Sustainable development, with frequent associated demands for public participation and community level planning (…) can be viewed as an example of the alternative development paradigm. Ecotourism, nature tourism, appropriate tourism, ethical tourism and responsible tourism are but a few of the tourism descriptors which have emerged in recent years, which have overlapping and imprecise meanings, but which all can be grouped under the enlightment heading of alternative tourism”

(Wall 1997:37).

Unter dem Stichwort "Öko" wurde auch der Tourismus im Zusammenhang mit der Entwicklungspolitik beziehungsweise Entwicklungszusammenarbeit wieder zu einem Thema(Aderhold/von Lassberg/Stäbler/Vielhaber, 2000:58).

Im Anschluss werden die Begriffe "Nachhaltige Entwicklung" und "Nachhaltiger Tourismus" genauer untersucht.

Nachhaltige Entwicklung

Historische Entwicklung und Definitionen

Die Entstehung und die heutige Bedeutung des Begriffs "Nachhaltige Entwicklung" stehen im engen Zusammenhang mit den Enttäuschungen, die das Scheitern der klassischen Entwicklungstheorien mit sich brachten. Seit den 50er Jahren wurde Entwicklung hauptsächlich mit ökonomischem Wachstum gleichgesetzt. Die soziale und vor allem die ökologische Dimension spielte im Vergleich zu den wirtschaftlichen Fragen eine untergeordnete Rolle.

Obwohl das Problem der Zerstörung, Ausbeutung und Verschmutzung der natürlichen Lebensgrundlagen durch den Menschen sich bis in die Antike verfolgen lässt, kam das Schlagwort "Nachhaltigen Entwicklung" erst in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts allmählich auf die politische Agenda (Höll 1997:138ff.). Zwar wurden die Kerngedanken des Begriffs schon von dem bekannten Ökonomen John Stuart Mill 1857 in seinen "Grundsätzen der politischen Ökonomie" vertreten, jedoch waren er und weitere frühere Vertreter nachhaltiger Strategien der Meinung, dass die rasante moderne industrielle und technische Entwicklung Antworten für die anstehenden ökologischen und auch sozialen Probleme finden könne.

Den ersten Meilenstein setzte aber die Studie "Grenzen des Wachstums", welche im Jahre 1972 im Auftrag des in den späten 60er Jahren gegründeten "Club of Rome" erstellt wurde und weltweit für Aufsehen sorgte. Diese Studie kam zu dem Schluss, dass die Wachstumsgrenzen der Menschheit im Bezug auf Geburtenraten, Belastung der Umwelt und Ausbeutung von natürlichen Ressourcen in 100 Jahren erreicht sein würden. Die Konsequenz wäre dann ein Absinken der Bevölkerungszahlen und eine deutliche Verringerung der ökologischen Kapazitäten gewesen. Die Studie vertrat darüber hinaus die Meinung, dass es noch nicht zu spät sei, diese Tendenzen zu ändern und ein weltweites ökologisches Gleichgewicht herbeizuführen. Voraussetzung hierfür wäre aber eine rasche Umkehr der gegenwärtigen Tendenzen und die Menschen müssten dazu bereit sein.

"Die Schlussfolgerung der Autoren lief somit auf Nullwachstum für die strategische Variable n (Bevölkerungszahl) und die industrielle Produktion hinaus. Damit stellten aber die Autoren der Studie wichtige Elemente des herrschenden Entwicklungsparadigmas wie die grundsätzlich grenzenlose Ressourcenverfügbarkeit, das bis dahin akzeptierte Problem der Umweltzerstörung zum Zwecke des (de facto unbegrenzten) Wachstums in Frage" (Höll 1997:143).

Seinen festen Bestandteil in nahezu allen wissenschaftlichen Disziplinen hat das Konzept der nachhaltigen Entwicklung jedoch erst seit der Veröffentlichung des Brundtland-Berichtes im Jahre 1987. Die Definition von nachhaltiger Entwicklung im Bericht "Our common future" der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung unter Vorsitz von Gro Harlem Brundtland lautet im Deutschen folgendermaßen:

"Dauerhafte Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können" (Hauff 1987:46).

Diese Definition im Rahmen des Brundtland-Berichtes ist die wohl am weitesten verbreitete, wurde jedoch auch aufgrund ihrer zum Teil westlichen Argumentation -Entwicklung durch wirtschaftliches Wachstum- kritisiert (Adams 1990:57ff.). Neuere Definitionen haben sich ausdrücklicher auf die drei Säulen von Nachhaltigkeit berufen: Ökonomie, Ökologie und Soziales. Vor allem die sozialen Aspekte von Nachhaltigkeit stehen hierbei im Vordergrund (WEB 2003:16).

Der Report der IUCN "Caring for the earth" (IUCN, 1991) dagegen verweist auf die dringende Notwendigkeit eines nachhaltigeren Lebensstils in den Industrienationen, die letztendlich den Hauptteil der Schuld an den ökologischen Problemen der Erde trügen.

Ein Hauptproblem des Konzepts von nachhaltiger Entwicklung bleibt, dass es in der Literatur keine allgemein anerkannte Definition gibt. Kastenholz, Erdmann und Wolff (1996) prangern an, dass

"trotz einer weit verbreiteten Popularität des Leitbegriffs –Nachhaltige Entwicklung-, der mittlerweile nicht mehr nur von Politikern, Entwicklungsexperten und Umweltschützern verwendet wird, sondern auch in industriellen Kreise, Gewerkschaften und kirchlichen Institutionen Eingang gefunden hat, bestehen bislang immer noch unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie der Begriff exakt zu bestimmen ist. Bei einer Durchsicht der Literatur lassen sich mittlerweile über 60 unterschiedliche Definitionen von Nachhaltigkeit finden" (Kastenholz, Erdmann, Wolff 1996:1).

1992 organisierten die Vereinten Nationen die "United Nations Conference on Environment and Development" (UNCED) in Rio de Janeiro. An dieser Konferenz nahmen 178 Staaten teil, deren Ziel es war, Strategien gegen die globale Zerstörung der Umwelt zu entwickeln. Diese Strategien sollten sich alle an den Prinzipien und Zielen einer nachhaltigen Entwicklung orientieren. Die bei dieser Konferenz zum Vorschein getretene Agenda 21 dient als Wegweiser für die Bewahrung der Erde auf dem Weg in ein neues Jahrtausend. Die Agenda 21 definiert globale Ziele, Maßnahmen, Kosten, finanzielle Ressourcen und benötigte Behörden für eine weltweite Umsetzung von nachhaltiger Entwicklung (van den Bergh 1996:7).

Der letzte Gipfel der Vereinten Nationen zum Thema "Nachhaltige Entwicklung" fand im September 2002 in Johannesburg, Südafrika unter dem Titel " World Summit on Sustainable Development" statt.


Prinzipien, Ziele und Bedingungen des Konzepts einer nachhaltigen Entwicklung

Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung geht davon aus, dass die Menschheit innerhalb der ihr gegebenen natürlichen Kapazitäten lebt und dafür Sorge tragen muss, dass diese Kapazitäten oder auch natürlichen Ressourcen auch in Zukunft Bestand haben.

Bei einer exakteren Betrachtung der Vielzahl an Definitionen von nachhaltiger Entwicklung und der Erklärungen, die am Ende der großen Konferenzen über dieses Thema der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, lassen sich vier typische Komponenten herausarbeiten (Wahab, 1997:18):

- Die Bewahrung und die Steigerung des ökologischen Prozesses

- Der Schutz der biologischen Vielfältigkeit

- Die Bewahrung des Gleichgewichtes innerhalb und zwischen den Generationen

- Die Integration ökologischer, sozialer und ökonomischer Ansätze

Diese Forderungen wurden so oder in anderen Formen schon seit geraumer Zeit gestellt, das Wichtige jedoch ist, dass diese Grundsätze langsam Bestandteil in den Planungen und Handlungen in vielen Bereichen, wie zum Beispiel auch in der Tourismuswirtschaft, werden.

Sharpley (2001:8) teilt in seinem Modell, basierend auf den Studien von Streeten (1977), Pearce/Marcandya/Barbier (1989), dem Brundtlandreport (1987) und dem Bericht des IUCN (1991), die Hauptaussagen über nachhaltige Entwicklung in grundlegende Prinzipien, Ziele von Entwicklung, Ziele von Nachhaltigkeit sowie in Bedingungen für die Durchsetzung des Konzepts der nachhaltigen Entwicklung ein:


Die Prinzipien nachhaltiger Entwicklung

Das Prinzip der holistischen Betrachtungsweise

Die Problemlösungsansätze für alle Bereiche, egal, ob im Rahmen des Naturschutzes oder in Entwicklungsfragen, müssen alle ganzheitlich integriert werden. Außerdem ist eine globale Sichtweise des Konzepts vonnöten.

Das Prinzip der Langfristigkeit

Hierbei wird auf eine langfristige Erhaltung des globalen Ökosystems und der Lebensgrundlagen der Menschheit hingewiesen.

"Wenn eine Tätigkeit nachhaltig ist, kann sie praktisch ohne Zeitbegrenzung fortgeführt werden" (IUCN 1991 in Bätzing, 1992:6).

Das Prinzip der Gerechtigkeit

Alle Mitglieder der globalen Gesellschaft, heute und in der Zukunft, sollen die Möglichkeit für den Zugang und die Nutzung der vorhandenen Ressourcen haben.


Die Ziele von nachhaltiger Entwicklung

Auf der Ebene von Entwicklung kann von folgenden Zielen gesprochen werden:

Zunächst sollte die Lebensqualität aller Menschen zum Beispiel in den Bereichen Bildung oder Lebenserwartung erhöht werden. Weitere Ziele sind die Befriedigung von Grundbedürfnissen sowie die Stärkung der Eigenverantwortung in Bezug auf politische Unabhängigkeit und Entscheidungen, die sich an den lokalen Interessen orientieren. Diese Ziele sollten grundsätzlich endogenen Ursprungs sein.

Die Ziele im Kontext von Nachhaltigkeit beziehen sich vordergründig auf ein nachhaltiges Wachstum der Bevölkerung, einen minimalen Abbau von nicht regenerierbaren Ressourcen, sowie auf eine nachhaltige Verwendung nachwachsender Ressourcen und die Verringerung der Umweltverschmutzung durch eine Senkung der Abgasrate.


Bedingungen für eine nachhaltige Entwicklung

Eine Hauptbedingung, vor allem für die Industrieländer, ist die Akzeptanz der Bevölkerung für ein neues Paradigma, das auf eine nachhaltige Lebensweise abzielt.

Die politischen und wirtschaftlichen Systeme auf der internationalen und auf der nationalen Ebene müssen dem Ziel einer gerechten Entwicklung und einem gerechten Ressourcenzugang verpflichtet sein. Eine weitere Voraussetzung ist die Existenz von globalen Allianzen, die die integrierten Entwicklungsansätze auf allen Ebenen erleichtern.

Bei der Betrachtung dieser in gewisser Weise extrem formulierten Prinzipien, Ziele und Bedingungen stellt sich die Frage, inwieweit sich die Grundsätze von nachhaltiger Entwicklung im Bereich Tourismus durchsetzen können. Im nächsten Punkt der Arbeit soll dieser Frage nachgegangen werden.


Nachhaltige Entwicklung und Tourismus

Nachhaltiger Tourismus

Der Begriff "Nachhaltiger Tourismus" verbindet Tourismus mit den Prinzipien und Zielen einer nachhaltigen Entwicklung. Zum einen bedeutet die Konzeption vom nachhaltigen Tourismus eine zukunftsfähige Form des Tourismus, welcher wie kein anderer Wirtschaftszweig auf seine natürlichen Ressourcen angewiesen ist. Auf der anderen Seite steht der Begriff ebenfalls für die Interessen der Besitzer dieser Ressourcen und deren langfristige Sicherung und Bewahrung. (Rauschelbach, 1998:10).

Für die Entwicklungszusammenarbeit wird demnach vorausgesetzt, dass die Interessen der Tourismusbranche in Verbindung mit entwicklungs- und umweltpolitischen Zielen einer nachhaltigen Entwicklung gebracht werden.


Genese des Begriffs

"Nachhaltiger Tourismus" Zuge des raschen Popularitätsgewinns des Konzepts der nachhaltigen Entwicklung in den letzten 20 Jahren hat die Nachhaltigkeitsdiskussion auch relativ schnell die Tourismusbranche erreicht. Dies führte, zumindest am Anfang, zu einer Vielzahl an unverbindlichen Informationskampagnen, Verhaltenskodexen, Zertifikaten, Gütesiegeln und auch Wettbewerben, die sich aber fast ausschließlich auf den ökologischen Aspekt von Nachhaltigkeit konzentrierten. Jedoch muss man der Tourismusindustrie zugute halten, dass sie das Thema Nachhaltigkeit ohne Druck von außen aufgenommen hat. Hierbei hat die Branche weniger auf etwaige Forderungen der internationalen Umwelt- oder Entwicklungspolitik reagiert als vielmehr auf ein gewachsenes Umweltbewusstsein der Weltöffentlichkeit und ihrer Kunden (Strasdas, 2001:85).

Das stark idealistisch geprägte Konzept vom "sanften Tourismus" kam im deutschsprachigen Raum etwa Anfang der 80er Jahre auf. Der "sanfte Tourismus" kann als Reaktion auf die in den 70er Jahren erhobene massive Kritik am Tourismus mit seinen kulturellen und sozialen Folgen gesehen werden. Neben dem Begriff "sanfter Tourismus" bildete sich in den Folgejahren noch eine Vielzahl an neuen Tourismusformen heraus.

"Was anfänglich vor 30 Jahren als sanfter, dann als umwelt- und sozialverträglicher Tourismus thematisiert wurde und heute als (sustainable) Tourismus firmiert, stellt eine Idee dar, die einen vagen Idealtyp eines umwelt- und sozialverträglichen Tourismus umfasst" (Wöhler, 2001:41).

Im Rahmen der Vereinbarungen von Rio und der dort ausgearbeiteten Agenda 21 fanden in den Jahren danach mehrere Folgekonferenzen statt, die sich ausschließlich mit dem Thema Tourismus und Nachhaltigkeit auseinandersetzten. Ein Produkt dieser Diskussion war ein Aktionsplan mit dem Titel: "Agenda 21 for the Travel and Tourism Industry – Towards Enviromental Sustainable Development". Dieser Plan richtet sich hauptsächlich an die Tourismusindustrie, an nationale Regierungen und Tourismusbehörden und an die Touristen selber.

Anders als bei der Konferenz in Rio wurde beim "World Summit on Sustainable Development" 2002 in Johannesburg in Artikel 43 der Abschlusserklärung explizit auf die Rolle von Tourismus beim Thema nachhaltige Entwicklung, vor allem in Bezug auf Erhaltung der Biodiversität und die Entwicklung des afrikanischen Kontinents, eingegangen.

Die Aufnahme des Artikels 43 in die Erklärung zeigt, dass nachhaltiger Tourismus zu Beginn des neuen Jahrtausends international als ein potentielles Werkzeug für das Erreichen einer globalen nachhaltigen Entwicklung angesehen wird.


Nachhaltiger Tourismus - Definitionen und Indikatoren

Bei der Suche nach einer einheitlichen Definition des Terminus nachhaltiger Tourismus treten zum Teil die gleichen Probleme auf wie bei der Definition von nachhaltiger Entwicklung. Es existiert eine Vielzahl an möglichen Begriffsbestimmungen.

"Defining sustainable development in the context of tourism has become something of a cottage industry in the academic literature of late” (Garrod, Fyall, 1998:199).

Die World Tourism Organisation definiert nachhaltige Tourismusentwicklung folgendermaßen:

"Sustainable tourism development meets the needs of present tourists and hosts regions while protecting and enhancing opportunity for the future. It is envisaged as leading to the management of all resources in such a way that economic, social and aesthetic needs can be fulfilled while maintaining cultural integrity, essential ecological process, biological diversity and life support systems (WTO, 1995:30).

Die Definition lehnt sich inhaltlich an vorangegangene Definitionen von nachhaltiger Entwicklung an. Überträgt man die Prinzipien der Nachhaltigkeit auf den Tourismus kann eine Bestimmung des Begriffs im Deutschen folgendermaßen lauten:

Nachhaltiger Tourismus erfüllt ökonomische, ökologische, soziale und kulturelle Verträglichkeitsmerkmale. Nachhaltiger Tourismus ist auf Langfristigkeit in Bezug auf die heutige und auf kommende Generationen ausgelegt. Darüber hinaus ist nachhaltiger Tourismus sozial gerecht, kulturell angepasst, ethisch, ökologisch sowie ökonomisch sinnvoll und lohnend.


Nachhaltiger Tourismus und Ökotourismus

Unter Beachtung der in Punkt 2.2.4 vorgestellten Definitionen und Prinzipien kann Ökotourismus als eine Sonderform von nachhaltigem Tourismus angesehen werden. Der Unterschied besteht letztendlich darin, dass sich der Anspruch von nachhaltigem Tourismus auf alle Tourismusformen bezieht, während Ökotourismus auf naturbezogene Tourismusarten abzielt.

"Ökotourismus ist also weniger umfassend und deckt nur eine Nische im Welttourismus ab. Grob gesagt kann man Ökotourismus als Schnittmenge zwischen nachhaltigem Tourismus und Naturtourismus auffassen" (Strasdas, 2001:7)

Der Hinweis auf diesen Unterschied ist insofern wichtig, da das für die Fallstudie in dieser Arbeit gewählte Land, Costa Rica, besonders im Hinblick auf Ökotourismus untersucht werden soll.


Die Anwendung der Prinzipien des nachhaltigen Tourismus

Nachdem in Punkt 2.4.2 die Prinzipien, Ziele und die Bedingungen für eine nachhaltige Entwicklung allgemein vorgestellt wurden, bleibt offen, inwieweit sich diese Kriterien auf den Bereich des Tourismus anwenden lassen.

Hierbei lässt sich feststellen, dass sich fundamentale Prinzipien wie die integrierte Betrachtungsweise, Langfristigkeit beziehungsweise Zukunftsfähigkeit und Gerechtigkeit auf den ersten Blick im Bezug auf Tourismus verwirklichen lassen.

Nachhaltiger Tourismus integriert zunächst grundsätzlich die Interessen der Ferienregionen und deren Einwohner, der Touristen und der Reiseindustrie. Man könnte in diesem Zusammenhang auch von einer ausgeglichenen Dreiecksbeziehung sprechen (Lane, 1994:104).

Das Prinzip der Langfristigkeit liegt ebenfalls im Interesse aller Akteure, da alle Akteure von intakten Ressourcen, und hierbei vor allem von einer gesunden Umwelt, in der Zukunft abhängig sind.

Im Hinblick auf das Prinzip der Gerechtigkeit kommen erste Zweifel auf, auch im Zusammenhang mit den ersten zwei Prinzipien, ob Tourismus fähig ist, zu einer nachhaltigen Entwicklung in der Dritten beizutragen.

Das Hauptproblem liegt in der Struktur des internationalen Tourismus, die eine gerechte Verteilung der Gewinne und Lasten nur schwer zulässt. Zum einen handelt es sich bei den Touristen hauptsächlich um Menschen aus westlichen Industrieländern. Zum anderen liegen die drei wichtigsten Komponenten im internationalen Tourismus wie der Verkauf von Reisen, der internationale Transport sowie die Unterbringung und Versorgung in den Händen von westlichen, weltweit agierenden Konzernen. Von einer ausgeglichenen und gerechten Dreiecksbeziehung kann aufgrund der enorm mächtigen internationalen Touristikkonzerne nicht mehr gesprochen werden.

Generell bleibt bei allen drei Punkten anzumerken, dass das Konzept einer nachhaltigen Tourismusentwicklung die Prinzipien nachhaltiger Entwicklung nicht vollkommen umschließt.

"Overall, then, sustainable tourism development policies does not fully embrace the three fundamental principles of sustainable development. Although the notions of futurity, equity and an holistic perspective are evident in specific tourism development principles, their focus is inward and product-centred, giving primacy to ecological sustainability over the development contribution of tourism” (Sharpely, 2000:11)

Ähnliches gilt für die Ziele und Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung im Zusammenhang mit Tourismus.

Die Probleme bei der Umsetzung eines nachhaltigen Tourismus lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Es lässt sich eine allgemeine organisatorische und finanzielle Schwäche auf Seiten der nationalen Tourismusbehörden feststellen.

  • Der Tourismussektor ist nur unzureichend in globale Entwicklungspläne eingebunden

  • Die Fragmentierung der Tourismusbranche und die Dominanz westlicher Konzerne der internationalen Tourismusindustrie sowie eine große Anzahl kleiner und kleinster touristischer Unternehmen, welche eine Koordination von nachhaltigen Strategien nur schwer möglich machen.

Inwieweit Tourismus, und hierbei insbesondere der Ökotourismus, trotz der angesprochenen Probleme einem Land wie Costa Rica zu einer nachhaltigen Entwicklung verhelfen kann, soll nun im Anschluss geklärt werden.

 

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