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Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung – Übertragung auf den (Öko-)Tourismus in Costa Rica

Dieses Kapitel der Arbeit widmet sich der Frage, ob und wie das Land Costa Rica im Bereich Tourismus einen Weg hin zu einer nachhaltigen Entwicklung verfolgt. Zunächst werden die Besonderheiten des Landes zum Beispiel seine einzigartige Natur und das System der geschützten Nationalparks und Schutzräume vorgestellt, ohne welche Costa Rica keine ausgesprochene Ökotourismusdestination wäre.

"For Costa Rica, a country renowned for its national parks and its promotion of ecotourism, the Costa Rican Institute of Tourism annual survey of visitors have regularly shown that around 70 per cent of its tourists (…) visit its protected areas” (Mowforth/Munt, 1998:92).

Danach sollen die wirtschaftlichen, ökologischen und soziokulturellen Effekte des (Öko)-Tourismus auf Costa Rica aufgezeigt werden. Nachdem in Punkt 2.2.3 die Auswirkungen des Tourismus auf Entwicklungsländer allgemein aufgezeigt wurden, soll am Beispiel Costa Rica der konkrete Einzelfall vorgestellt werden.

Des Weiteren wird der Frage nachgegangen, inwieweit die Akteure in Costa Rica die Kriterien und Ziele von Ökotourismus, als Sonderform eines nachhaltigen Tourismus, der im Einklang mit den Zielen einer nachhaltigen Entwicklung steht, umsetzen.

Dabei soll hauptsächlich darauf geachtet werden, ob alle drei Merkmale, nämlich die ökologische, soziale und ökonomische Verträglichkeit des Tourismus, verfolgt werden und das Konzept des Ökotourismus nicht nur als inhaltslose Werbung für Touristen missbraucht wird.

"Reisen, die als Ökotourismus bezeichnet werden, erfüllen meist nur eines der drei Kriterien, nämlich naturnahe Räume als Reiseziel. Zur Finanzierung von Schutzgebieten tragen sie meist nur unfreiwillig und unbedeutend bei. Zur ökonomischen Alternative für die lokal Betroffenen, ohne die diese eine folgenschwere Erschütterung ihres sozialen Gefüges erleiden, kommt es lediglich in seltenen Fällen. Dies wird eine Aufgabe für Politiker, Wissenschaftler, Naturschutzadministratoren, Umweltorganisationen, Gruppen der lokalen Bevölkerung, Reiseveranstalter und Touristen selbst bleiben" (Ellenberg/Scholz/Beier, 1997:58).

Zum Abschluss dieses Kapitels werden bestimmte Probleme und Kritik an der costa-ricanischen Regierung bei der Umsetzung von Ökotourismus  aufgezeigt.


Naturschutz in Costa Rica

Das kleine Land Costa Rica kann sich glücklich schätzen, eine reichhaltige Diversität an Flora und Fauna in seinen Grenzen zu beheimaten. Durch den Reichtum an verschiedenenartigen Ökosystemen bietet es einen Lebensraum für eine Vielfalt an pflanzlichem und tierischem Leben auf einer relativ kleinen Fläche. Aus diesem Grund wird Costa Rica zu den so genannten "Mega-Diversity-Ländern" gezählt, welche durch eine besonders große Artenvielfalt eine internationale Bedeutung erlangt haben.

Im Bereich des Naturschutzes sticht Costa Rica im Vergleich zu seinen lateinamerikanischen Nachbarn durch ein über das ganze Land verteiltes ausgeprägtes System von Nationalparks und Schutzgebieten hervor.  Seit Anfang der 70er Jahre wurden große Teile des Landes unter irgendeine Form des Schutzes gestellt. Mangelnde finanzielle Mittel und die Auswirkungen der Wirtschaftskrise führten jedoch in den 80er Jahren zu einer Bedrohung dieser Parks und Schutzgebiete. Im Jahre 1986 entschied sich die costa-ricanische Regierung mit Hilfe internationaler Unterstützung für eine grundlegende Reform der Institutionen, die die Parks verwalten sollten, und hofften zeitgleich die Akzeptanz für den Naturschutz in ihrem Land zu erhöhen.

Heute umfassen alle möglichen Schutzräume in Costa Rica zusammengenommen über 25% des gesamten Staatgebietes. Hierbei spielen die Nationalparks, die mit über 12% den größten Teil der Schutzgebiete ausmachen, sicherlich die größte Rolle.

Tabelle 5:
Schutzgebiete in Costa Rica


Nationalparks 25 12.23
Biologische Schutzgebiete 8 0.42
Forstsschuttzgebiete 11 4.47
Nationale Wildschutzgebiete 58 3.53
Schutzräume 32 3.06
Feuchtgebiete 15 1.53
Andere 12 0.34
Total 161 25.58

Quelle: Eigene Darstellung

Das System der Nationalparks in Costa Rica

Die Herrschaft über die staatlichen Schutzgebiete in Costa Rica untersteht einer in das Umwelt- und Energieministerium eingebundenen Institution. Das "Sistema Nacional de Areas de Conservacion de Costa Rica" (SINAC) wurde gegründet, um die über 150 Schutzgebiete und die in elf verschiedene Gebiete eingeteilten Schutzräume zu verwalten. Offiziell hat sich das SINAC zwei Aufgaben gestellt. Zum einen die Förderung und den Gebrauch eines nachhaltigen Managements der Biodiversität und der natürlichen Ressourcen. Zum anderen die Kontrolle und den Schutz derselbigen. Ein weiteres Ziel von SINAC ist es, eine bessere Koordination mit den anderen staatlichen Stellen wie zum Beispiel der Forst- und Waldverwaltung oder dem nur für die Parks verantwortlichen Nationale Park Service herzustellen.

1993 wurde eine Kommission bestehend aus dem costaricanischen Tourismusinstitut (ICT), der Tourismuskammer (CANATUR) und dem Umwelt- und Energieministerium (MINAE) einberufen, die sich vor allem genauer der Frage widmen sollte, wie die schwierige Finanzierung der Schutzgebiete in Zukunft gewährleistet werden kann und gleichzeitig soziale und ökologische Schäden vermieden werden können. Die Verbindung beider Punkte sah die Kommission in Form der Erlöse durch die Eintrittsgelder, die durch die Nationalparks erwirtschaftet werden. Die Eintrittsgebühren für die verschiedenen Nationalparks, die sich nicht nur in Größe oder Begehbarkeit, sondern auch in Form ihrer für Touristen interessanten Attraktivitäten oft massiv unterscheiden, werden vom Umwelt- und Energieministerium festgesetzt, nachdem die Kommission befragt wurde. Die Einnahmen aus den Gebühren laufen zurück in den costa-ricanischen Haushalt (vgl. 4.3.1).


Für andere Schutzgebiete, die nicht zu der Gruppe der Nationalparks gezählt werden, werden die Eintrittsgelder von den jeweiligen staatlichen und privaten Institutionen selber festgelegt. Zu der steigenden Zahl der nicht staatlichen Akteure, die Schutzgebiete in Costa Rica einrichten, gehören Nichtregierungsorganisationen (NRO´s), private Ökotourismusbetreiber, in Costa Rica häufig Okölodgebesitzer, und auf Umweltschutz bedachte Privatleute. Hierbei gibt es keine expliziten staatlichen Verordnungen, welche Ziele mit den erwirtschafteten Einnahmen verfolgt werden sollen. Diese Ziele können auf der einen Seite rein wirtschaftlich sein. Auf der anderen Seite können die Verantwortlichen die Gebühren senken, um durch mehr Besucher die lokale Wirtschaft zu stärken und somit Einkommensmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung zu schaffen. Jedoch sollte man sich bewusst sein, dass unabhängig davon, wofür man die Einnahmen verwendet, man wissen sollte, wie hoch die Nachfrage nach der jeweiligen "Ökotourismus-Attraktion" ist und wie viel die Touristen bereit sind dafür zu zahlen (Dixon/Sherman, 1990:84).


Ökonomische Auswirkungen auf Costa Rica
  • Devisen
Vergleicht man die beiden Tourismusformen "Reiner Badeurlaub am Strand" und "Natur- oder Ökotourismus", stellt man schnell fest, dass die Vorteile der letzteren deutlich überwiegen

Zum einen hat der Ökotourist im Allgemeinen ein höheres Einkommen und kann somit im Zielland selber mehr ausgeben

"(…) weil im Zielsystem des Ökotourismus – wie auch bei anderen nachhaltigen Tourismuskonzepten- die Forderung nach Benefits für die Zielländer, und dort insbesondere die für die lokale Bevölkerung in den eigentlichen Zielgebieten, eine zentrale Rolle spielt. Obwohl keine systematischen Untersuchungen vorliegen, stimmen alle Experten darin überein, dass die überdurchschnittlichen Reiseausgaben von Naturtouristen (…) über denen von konventionellen Touristen (…) liegen. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass bei relativ niedrigen Teilnehmerzahlen ein hoher Dienstleistungsaufwand mit gesteigerten Qualitätsansprüchen getrieben wird" (Strasdas, 2001:134)

Zum anderen kommt man bei der Betrachtung der Abfluss- oder "Leakage"-Rate von erwirtschafteten Devisen beim Vergleich von Badeurlaub und Ökotourismus zu einem deutlichen Ergebnis. In Costa Rica liegt der Rückfluss der Devisen zurück in die Industrienationen weit unter den "Leakage"-Raten verglichen mit anderen Entwicklungsländern. Liegt die für Entwicklungsländer durchschnittliche "Leakage"-Rate bei etwa 55-60%, so wird sie in Costa Rica auf weit unter 50% geschätzt (Inman/Mesa/Flores/Prado, 2002:111). Nach Aussage des Beraters des costa-ricanischen Tourismusministers, Barry Roberts, liegt sie in Costa Rica sogar unter 30%

Diese relativ geringe "Leakage"-Rate ist unter anderem auf die Struktur der Hotelindustrie zurückzuführen, die hauptsächlich in einheimischen Besitz ist und große Hotelketten noch nicht all zu stark in Costa Rica vertreten sind. Ein anderer Punkt ist die im Vergleich zu anderen Ländern geringe Abhängigkeit von Importen, was mit dem relativ hohen Entwicklungsstand Costa Rica´s zusammenhängt, sowie dem nicht zu übersehende Faktor der erwirtschafteten Eintrittsgelder durch die staatlichen Nationalparks (vgl. 4.3.1).

Vergleicht man die Einnahmen von Devisen, die von 1991 bis 2000 durch den Tourismus in Costa Rica erzielt wurden, lässt sich ein deutliches Wachstum erkennen. Auch der Anteil des Tourismus am Bruttoinlandsprodukt (BIP) steigert sich in einem Zeitraum von zehn Jahren um über 50%



Tabelle 6:

Deviseneinnahmen durch Tourismus und Anteil am Bruttoinlandsprodukt in Costa Rica

1991
330.6
4.6%
1992
431.1
5.0%
1993
577.4
6.0%
1994
625.7
5.9%
1995
659.6
5.6%
1996
688.6
5.8%
1997
719.3
5.6%
1998
883.5
6.3%
1999
1.036.1
6.6%
2000
1.229.2
7.8%

Quelle: ICT, 2001

  • Das Problem der Abhängigkeit vom Tourismus

Viele Länder leiden, sofern sie stark vom internationalen Tourismus abhängig sind, unter den Folgen nicht vorhersehbarer Ereignisse wie innenpolitische Unruhen, Krisen der Weltwirtschaft oder der internationalen Sicherheit und nicht zuletzt auch unter dem Problem der Saisonalität von Touristenströmen, die zu einem starken Einbruch bei den Besucherzahlen führen können, was teilweise drastische wirtschaftliche und soziale Konsequenzen zur Folge hat.

Im Fall von Costa Rica kann festgestellt werden, dass das Land die schwerste internationale Krise der letzten Jahre, die Anschläge vom 11. September und die darauf folgende Wirtschaftskrise, größtenteils mit nur geringen Gewinneinbrüchen im Bereich Tourismus überstanden hat. Vergleicht man die Zahlen der touristischen Ankünfte in Costa Rica aus den Jahren 2001 (1.131.406 Mio. Ankünfte) und 2002 (1.113.359 Mio. Ankünfte), so ergibt sich für diesen Zeitraum ein verhältnismäßig geringer Rückgang der Besucherzahlen von 1,6%. Zwar waren die jährlichen Wachstumsraten vor der Krise vom ICT jährlich auf 2.5-4% geschätzt worden, jedoch ist der Rückgang im Vergleich zur internationalen Wirkung für Costa Rica zu verkraften. Dies liegt nicht zuletzt an der Verbindung Costa Rica´s mit dem Produkt Ökotourismus.

"Moreover, the fact that Costa Rica offers a different and specialized type of tourism product, eco-tourism, contributed for the situation not to be worse” (Inman/Mesa/Flores/Prado, 2002:22)

Des Weiteren profitiert Costa Rica von einer sehr ruhigen innenpolitischen Lage und dem Vorteil das ganze Jahr über für Touristen als Reiseland attraktiv zu sein.

  • Einkommens- und Arbeitsplatzeffekte

Im Jahre 2003 waren nach Schätzungen des World Travel and Tourism Council (WTTC) 62.796 Personen in Costa Rica direkt in der Tourismusbranche des Landes beschäftigt. Durch die teilweise enge Verknüpfung der Tourismusindustrie mit anderen Industriezweigen liegen die Schätzungen bei der Anzahl der Menschen, die direkt und indirekt eine Arbeitsstelle durch den Tourismus haben, bei 160.797. Dies entspricht 10,5% der arbeitenden Bevölkerung (WTC, 2003)

Aussagen über die Einkommens- und Arbeitsplatzeffekte müssen jedoch in die nationale und lokale Ebene aufgeteilt werden.

Auf der nationalen Ebene nimmt der costa-ricanische Staat vor allem Devisen durch die Ausreisegebühr an den internationalen Flughäfen des Landes ein. Diese beträgt pro Ausländer 28 US-Dollar und ist direkt am Flughafen zu entrichten.

Im internationalen Ökotourismus stellen transnationale Unternehmen und ausländischer Besitz eher die Ausnahme dar. Dies ist auch in Costa Rica der Fall. Wie bereits erwähnt, ist der Großteil der Hotels im Lande in der Hand von Einheimischen beziehungsweise gehört Ausländern, die aber in Costa Rica Leben. Diese Tatsache im Zusammenhang damit, dass Ökotouristen hauptsächlich einheimische Ressourcen nutzen, führt zu einem hohen Multiplikatoreneffekt, der in Costa Rica durch Tourismus erzielt wird.

Auf der lokalen Ebene lassen sich die gleichen Probleme finden, die zwischen Entwicklungsland und Industrieland herrschen. Es ist mit hohen Entzugseffekten, also einem internen "leakage" von der lokalen hin zur nationalen Ebene, zu rechnen, die in einigen Ländern bei 95% liegen (Brandon, 1996:24).

Im Bereich Ökotourismus in Costa Rica gibt es jedoch ein beachtliches Potential für die Partizipation der lokalen Bevölkerung.

Die relativ geringen Touristenzahlen im Vergleich zu Massentourismus können zu einer besseren Steuerbarkeit und Überschaubarkeit beitragen. Dies ist vor allem deshalb der Fall, da Ökotouristen gegenüber sozioökonomischen und kulturellen Fragen im Zielland generell sehr aufgeschlossen sind. Darüber hinaus richtet sich die Nachfrage im Bereich Ökotourismus in Costa Rica weniger auf das bereits entwickelte zentrale Hochland mit der Hauptstadt San José, sondern konzentriert sich eher auf die ländlichen Gebiete, deren wirtschaftliche Infrastruktur noch stark ausbaufähig ist.

Im Falle von Costa Rica kann als ein Beispiel für Beschäftigungsmöglichkeit auf der lokalen Ebene die Betreuung der bei den Touristen beliebten Nationalparks verwiesen werden. Allein  in Form von zum Beispiel "Tourguides" oder Mitarbeitern von Informationsstellen in Nationalparks oder Schutzgebieten finden in Costa Rica etwa 800 bis 1000 Menschen Beschäftigung auf der lokalen Ebene. Inwieweit die Kriterien von Ökotourismus unter anderem im Bezug auf die Einbindung der lokalen Bevölkerung auch im Bereich    Beschäftigungsmöglichkeiten durch öffentliche und private Akteure umgesetzt und erfüllt werden, wird in Punkt 4.3 näher aufgezeigt.



Soziokulturelle Auswirkungen auf Costa Rica

Systematische Untersuchungen über die soziokulturelle Verträglichkeit von Ökotourismus sind in der einschlägigen Literatur bisher noch nicht vorhanden. Man kann davon ausgehen, dass auch in diesem Fall viele Faktoren eine Rolle dafür spielen, inwieweit Ökotourismus bestimmte Auswirkungen auf eine Gesellschaft haben kann.

Auf Costa Rica bezogen kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die grundsätzlich negative vorherrschende Meinung über den Einfluss von Tourismus in der Dritten Welt nur zum Teil bestätigt werden kann. Die negativen Beispiele wie zum Beispiel eine immer stärker aufkommende Prostitution in San José, zum Teil auch durch Minderjährige, sowie eine wachsende, meist durch Drogen verursachte Kriminalität an Stränden wie Jacó, kann kaum dem Ökotourismus zugerechnet werden, da beides keine Ökotourismusattraktionen darstellen. In Punkt 4.3.3 über die Probleme bei der Umsetzung der Kriterien von Ökotourismus wird unter anderem nochmals deutlicher auf potentielle soziale Schwierigkeiten wie die Alters- oder Bildungsstruktur der Beschäftigten der costa-ricanischen Tourismusbranche eingegangen.

Wahre Ökotourismusprojekte in Costa Rica werden in den meisten Fällen, wie später an kurzen Beispielen erläutert werden soll, von der lokalen Bevölkerung durchaus begrüßt. Diese Projekte stellen in den ländlichen Gebieten oft die einzige Einnahmequelle dar, ohne die lokale Umwelt zu zerstören oder das kulturelles Leben zum Negativen hin zu ändern. Die Einnahmen werden größtenteils für lokale Schulen, Gesundheitseinrichtungen oder den Bedarf für das tägliche Leben ausgegeben.


Ökologische Auswirkungen auf Costa Rica

Auch in Costa Rica besteht Einigkeit darüber, dass unkontrollierte touristische Nutzung von Naturgebieten zu gravierenden Umweltschäden führen kann (Ceballos-Lascuraín, 1996:55). In Umwelt- und Naturschutzkreisen hat diese Erkenntnis zu der Meinung geführt, dass Ökotourismus, aufgrund der begrenzten Tragfähigkeit der verschiedenen Ökosysteme, nur in einem sehr kleinen und somit umweltschonenden Rahmen durchgeführt werde dürfe (Brandon, 1996:26).

Zum einen vertritt diese Einstellung aber nur die Naturschutzkomponente und weniger die soziokulturellen Aspekte von Ökotourismus.

Zum anderen muss zum Beispiel auch in Betracht gezogen werden, um welche Formen von Tourismus es sich handelt. Ist es eher reiner Naturtourismus ohne die ökologischen Aspekte, wie zum Beispiel Safaris und Golfurlaub, die eher kritisch zu bewerten sind. Oder sind es eher Formen, die mehr den Ökotourismusprinzipien gerecht werden, denen sich zumindest dem Anschein nach auch Costa Rica verschrieben hat.

Darüber hinaus muss festgestellt werden, welche Arten von Ökosystemen in dem jeweiligen Land vorherrschen. Sind es eher sehr empfindliche Korallenriffe oder vermehrt tropische Regenwälder, welche aufgrund ihrer punktuellen Nutzung durch Ökotouristen eine höhere Widerstandskraft haben.  In Costa Rica, das allein schon aufgrund seines extensiven Netzes von Schutzgebieten, nicht zuletzt um damit massiv um Touristen zu werben, einen positiven ökologischen Effekt erfährt, sind es vorwiegend primäre Regenwälder, die als Ökotourismusdestinationen genutzt werden.

Aber selbst in diesen relativ unsensiblen Ökosystemen ist es auch in Costa Rica in den letzten Jahren zu Problemen gekommen. Der kleinste Nationalpark, Manuel Antonio, ist aufgrund seiner attraktiven Strände und Regenwaldlandschaft auch einer der beliebtesten Parks des Landes. Ein bis in die 90er Jahre unbeschränkter Zutritt führte zu massiven Verschmutzungen und zu der Tatsache, dass wilde Tiere, vor allem Affen, ihre Scheu vor dem Menschen verloren.

Mittlerweile lassen sich in Costa Rica Steuerungsinstrumente finden, die die drastischen negativen ökologischen Auswirkungen verhindern sollen. So gibt es in einigen Nationalparks, wie zum Beispiel in Manuel Antonio, eine quantitative Besucherbeschränkung. Die meisten Schutzräume können ohne spezielle Erlaubnis besucht werden. Bei besonders ökologisch empfindlichen Schutzgebieten jedoch muss eine Erlaubnis bei der zuständigen Behörde eingeholt werden.

Die wichtigsten Ansätze der relevanten Akteure in Costa Rica, Ökotourismus im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung in ihrem Land umzusetzen und somit auch die negativen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Effekte zu vermindern, werden im folgenden Abschnitt beschrieben.



Umsetzung der Ziele von Ökotourismus im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung in Costa Rica

Werden in Costa Rica die Prinzipien, Kriterien und Ziele von Ökotourismus im Sinne einer nachhaltigen touristischen Entwicklung beherzigt oder wird, wenn überhaupt, alleine das Kriterium Umweltschutz beachtet?

Es stellt sich hier die Frage, ob Costa Rica zu Recht den Ruf als Ökotourismusdestination innehat. Ökotourismus beschränkt sich eindeutig nicht nur auf die Naturkomponente, sondern fordert neben ökologischer Verträglichkeit des Tourismus, wie zum Beispiel die Finanzierung von Schutzgebieten, auch explizit einen sozioökonomischen Nutzen für die lokale, betroffene Bevölkerung.

Man darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen, dass die Tourismusbranche anders als zum Beispiel die internationale Entwicklungszusammenarbeit oder der Umweltschutz marktwirtschaftlichen Regeln folgt.

Inwieweit die relevanten Akteure Willens und in der Lage sind wahren Ökotourismus in Costa Rica zu praktizieren, ist Gegenstand dieses Abschnitts. Bei den Akteuren und deren Maßnahmen wird zwischen der staatlichen und der nicht-staatlichen Dimension unterschieden (vgl. 3.2.1).

Am Ende dieses Abschnitts werden darüber hinaus Probleme bei der Implementierung von Ökotourismus in Costa Rica aufgezeigt sowie Kritik an bestimmten Maßnahmen seitens der Regierung geübt.


Staatliche Maßnahmen

Prinzipiell sollten sich beim Thema Ökotourismus die öffentlichen Handlungen an den bekannten Kriterien einer nachhaltigen touristischen Entwicklung orientieren

Im Jahre 1990 fand in Vancouver, Kanada, eine internationale Konferenz zum Thema "Trade fair on environment and sustainable development" mit dem Namen Globe `90 statt. Im Rahmen dieser Konferenz wurden verschiedene Richtlinien für nationale Regierungen erarbeitet, wie diese eine nachhaltige touristische Entwicklung in ihren Ländern erreichen können. Héctor Ceballos-Lascuráin fasst die wichtigsten dieser Leitlinien folgendermaßen zusammen:

"Develop standards and regulations for environmental and cultural impact assessments, and monitoring of existing and proposed tourism developments, and ensure that carrying capacities defined for tourism destinations reflect sustainable levels of development and are monitored and adjusted appropriately. (…) Regulate and control tourism in environmental and culturally sensitive areas” (Ceballos-Lascuráin, 1996:88).

Der Staat wird zur Durchsetzung der Ziele einer nachhaltigen touristischen Entwicklung aufgefordert, den heimischen Tourismus zu fördern, zu lenken und wenn nötig zu reglementieren. Ökotourismus ist demnach auf bestimmte Handlungen seitens der öffentlichen Hand angewiesen.

In Costa Rica versucht die Regierung nachhaltige Konzepte im Sinne von Ökotourismus folgendermaßen zu fördern und zu lenken


· Das ICT führte Mitte der 90er Jahre das CST (Certification for Sustainable Tourism) in Costa Rica ein. Dieses Zertifikat richtete sich zunächst nur an Hotels, mittlerweile jedoch wird versucht, diese freiwillige Befragung und Zertifizierung auch auf andere Bereiche wie zum Beispiel Autovermietungen oder Restaurants zu erweitern. Zum einen sollte mit der Einführung dieses Zertifikats dem Problem der Ausnutzung des Schlagwortes Ökotourismus entgegengewirkt werden. Zum anderen hatte man das Ziel, Ökotouristen ins Land zu holen und ihnen mit dem Zertifikat zu versichern, dass ihr Hotel auch wirklich Ökotourismusziele verfolgt und kein so genanntes "greenwashing" betreibt.

Die Kriterien, die erfüllt werden müssen, um das begehrte Zertifikat zu erlangen, werden anhand eines fast 50 Seiten langen Fragebogens abgefragt, der grob eingeteilt drei verschiedene Bereiche umfasst.

Zum einen wird auf umweltrelevante Fragen wie die Energieversorgung, Müllentsorgung etc. eingegangen. Ein zweiter Punkt befasst sich mit der Einbindung der Touristen in Bezug auf Informationen über nachhaltige Entwicklung an ihrem Urlaubsort oder auch die Vermittlung der lokalen kulturellen Gepflogenheiten. Einen großen Teil der Fragen nimmt des Weiteren die sozioökonomische Komponente im Zusammenhang mit der lokalen Bevölkerung ein. Hierbei geht es vor allem um die Anzahl der Mitarbeiter aus der näheren Umgebung, ihre direkten und indirekten Einkünfte durch das Hotel oder die Lodge oder auch inwieweit die lokalen Mitarbeiter geschult werden.


Das Unternehmen welches einen nach einem bestimmten Schlüssel errechneten Wert erreicht, erhält dann für ein Jahr das staatlich zugelassene Zertifikat.

Eine finanzielle Belohnung für das Erlangen des Zertifikats seitens des Staats gibt es nicht. Als Anreiz zum Erlangen des Zertifikates dient lediglich die Übernahme der Reisekosten seitens des Staates, falls sich das Unternehmen bei internationalen Tourismuskonferenzen vorstellen will, sowie die Erwähnung des Unternehmens auf den offiziellen Internetseiten Costa Rica´s, die einen Bezug zum nationalen Tourismus haben. Weiter Anreizsysteme sind in Planung, ohne aber jedoch schon konkrete Formen angenommen zu haben.


· Das System der Nationalparks in Costa Rica wird durch die staatliche Organisation SINAC verwaltet (vgl. 4.1.2). Wie in den meisten Ländern tragen auch in Costa Rica die Eintrittsgelder zur Finanzierung der nationalen Schutzgebiete bei. Für ausländische Touristen wird eine Gebühr von 6 US-Dollar für den Zutritt in einen Nationalpark erhoben. Dieses Geld fließt nach Auskunft der Regierung zurück in den nationalen Haushalt und von dort wieder in die Kassen des Systems der nationalen Schutzgebiete.

Interessanterweise wurden 1996 die Eintrittspreise wieder auf 6 US-Dollar gesenkt, nachdem sie 1994 kurzfristig auf 15 US-Dollar pro ausländischen Touristen angehoben wurden. Bei der Erhebung der Eintrittspreise spielen, wie unter Punkt 4.1.2 schon erwähnt, die Attraktivität des jeweiligen Parks oder Schutzgebietes eine nicht zu unterschätzende Rolle.



Tabelle 7

Einnahmen und Besucherzahlen in den costa-ricanischen Nationalparks bis 1996

1990
242.000
435.000
1991
340.000
496.000
1992
579.000
639.000
1993
1.016.000
772.000
1994
1.501.000
700.000
1995
2.585.000
635.000
1996
Nicht verfügbar
659.000


Quelle: Inman, 1997


Die Einnahmen durch die Besucher sind für die Parks oft substanziell, da die finanziellen Mittel der Parkverwaltung eher bescheiden sind.


Beim Punkt der Einbindung der lokalen Bevölkerung, die in der Nähe des jeweiligen Schutzgebietes lebt, lassen sich bestimmte kleine Fortschritte erkennen. Zum Beispiel werden mittlerweile, neben der Ausbildung Einheimischer zu "Tourguides", Konzessionen an die lokale Bevölkerung vergeben, mit denen dann in den Parks kleine Souvenirläden oder Kioske betrieben werden können.

· Als ein politisches Signal kann der im Parlament verabschiedete "Sustainable Tourism Development Plan 2002-2012" bezeichnet werden. Dieser Plan enthält die offizielle Erklärung, dass Costa Rica in den nächsten Jahren jede Entscheidung zur nationalen Tourismuspolitik im Sinne der Prinzipien einer nachhaltigen touristischen Entwicklung umsetzen will.

· In den costa-ricanischen Schulen wird im Lehrplan sehr auf die Vermittlung von Wissen über die Umwelt und die heimische Natur gelegt. Seitens der Regierung wird dies als indirekte Form der Vermittlung von nachhaltigen Tourismusprinzipien gesehen.

· Bei der Frage nach strengen Regulierungen seitens des Staats zur Implementierung von Ökotourismus in Costa Rica ist auf die Gesetzgebung im Bereich Umwelt- und Gesundheitspolitik zu verweisen. Hier ist zum Beispiel das 1996 reformierte Umweltgesetz zu nennen.

Als vorläufiges Ergebnis bei der Betrachtung der staatlichen Maßnahmen zur Umsetzung von Ökotourismus in Costa Rica kann festgestellt werden, dass die Naturschutzkomponente und die damit verbundene Finanzierung von Schutzgebieten eindeutig im Vordergrund steht. Zwar wird die sozioökonomische Komponente im Sinne der ökonomischen und sozialen Einbindung der lokalen Bevölkerung vor Ort vor allem durch das CST-Zertifikat aufgegriffen, jedoch handelt es sich hierbei um eine Maßnahme auf freiwilliger Basis und Kontrollmöglichkeiten sind eher beschränkt.


Nicht staatliche Maßnahmen

Bei den nicht öffentlichen Maßnahmen zur Umsetzung von Ökotourismus in Costa Rica soll insbesondere auf die Tourismuskammern, die NRO´s und private Investoren eingegangen werden.

· Die unter dem Dachverband CANATUR vereinigten Verbände wie die einheimische Hotelkammer (CCH), der Verband für professionellen Tourismus in Costa Rica (ACOPROT) und die anderen unter Punkt 3.2.1 vorgestellten Vereinigungen orientieren sich insofern an dem Konzept des Ökotourismus, indem sie dem Konzept in Erklärungen und auf ihren Internetseiten beipflichten. Eine Strategie oder konkrete Aktionen zur Umsetzung des Konzeptes gibt es aber in keiner der Kammern. Nichts desto trotz profitiert die gesamte Tourismusbranche in Costa Rica von dem Ruf ihres Landes als internationaler Vorreiter in Sachen Ökotourismus. Diese Tatsache, verbunden mit den fehlenden Aktivitäten wie Training, Schulungen oder der Förderung von Umweltprojekten seitens der Tourismusbranche, führte im Jahre 2002 zur Gründung der "Camará Nacional de Ecoturismo" (CANECO). Diese Organisation, die auf Initiative des Dachverbandes CANATUR ins Leben gerufen wurde, befindet sich jedoch noch in der Aufbauphase und man wird abwarten müssen, ob sich in der nächsten Zeit erste Ansätze zur Implementierung der Prinzipien von Ökotourismus seitens der Kammern in Costa Rica erkennen lassen.

· Etwa zwanzig NRO´s, nationale und internationale, beschäftigen sich in Costa Rica direkt oder indirekt mit Ökotourismus.

Bestimmte NRO´s wie zum Beispiel TNC, TES oder ANAI sind in Costa Rica sehr aktiv und engagiert nachhaltigen Tourismus  auf- beziehungsweise auszubauen. Diese Organisationen sind aus bestimmten Gründen sehr wertvoll für den Implementierungsprozess.

Zum einen wirken sie direkt bei diesem Prozess mit, indem sie Grundstücke kaufen und diese in Schutzgebiete umwandeln und gleichzeitig Einkommensmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung schaffen.

Zum anderen spielen NRO´s eine wichtige Rolle bei der Beratung der nationalen Parks und bei der Zusammenarbeit mit Ökotourismusunternehmen wie zum Beispiel mit den in Costa Rica weit verbreiteten Ökolodges. Sie verfügen über das nötige Wissen bei der Schulung potentieller einheimischer Arbeitskräfte oder bieten technische Hilfe an.


Darüber hinaus spielen die NRO´s eine Vermittlerrolle zwischen den einzelnen Akteuren. Sie bieten sozusagen ein Forum, gleichermaßen für die Bevölkerung, die Reiseveranstalter, staatliche Stellen, die Touristen und die Nationalparks.

· Kleinere private Investoren spielen bei der Umsetzung von Ökotourismus in Costa Rica eine gewichtige Rolle.

"Auf die Frage, welche Anbieter in Entwicklungsländer am ehesten die Ziele des Ökotourismus anstreben beziehungsweise verkörpern, ist keine generalisierbare Antwort möglich. Wie in Industrieländern gilt hier aber offenbar das Prinzip, dass kleinere private Investitionen eher mit einer Portion Idealismus versehen sind als die von größeren Unternehmen. Dies gilt insbesondere für spezialisierte Incoming-Agenturen und die Betreiber von Öko-Lodges" (Strasdas, 2001:134).

Das Konzept beziehungsweise das Schlagwort Ökotourismus wurde in Costa Rica von der nationalen Regierung erst relativ spät aufgenommen und vermarktet. Zuvor handelte es sich vielmehr um private Akteure, die mit ihren Projekten die Prinzipien verwirklichen wollten.

Auch heute überwiegen in Costa Rica privat geführte Unternehmen, die kleine Ökolodges betreiben.

Wird das Hotel oder die Lodge dann noch in Verbindung mit einem privaten Schutzgebiet betrieben, stellt dies in vielen Fällen den Idealfall der Umsetzung von Ökotourismus dar.

Die im Anhang dieser Arbeit vorgestellte Ökolodge "Lapa Rios" soll anhand von Auszügen aus dem "CST Final Report 2003" als Beispiel aufzeigen, wie private, auf Gewinn ausgerichtete Initiative mit dem Konzept des Ökotourismus erfolgreich verbunden werden kann.

Das vorläufige Fazit bei der Untersuchung der nicht staatlichen Maßnahmen bei der Umsetzung der Ziele von Ökotourismus in Costa Rica besteht darin, dass die NRO´s und vor allem private Initiativen gewisse Erfolge vorweisen können.

Eine exakte Analyse aller privaten Unternehmungen in der Tourismusbranche in Bezug auf ihre Anstrengungen, nachhaltigen Tourismus in ihrem Unternehmen in Costa Rica umzusetzen, ist nicht möglich, da die Bewertungsinstrumente fehlen.

Auch die grundsätzlich als positiv zu bewertende Arbeit der NRO´s in Costa Rica erfüllt, von einigen Ausnahmen abgesehen, oft nur das Kriterium der Protektion und der Finanzierung von Schutzgebieten.

Bei der Integration der lokalen Bevölkerung treten zumindest partiell gewisse Probleme auf. So hängen die Beschäftigungsmöglichkeiten für die Bevölkerung sehr von der Popularität der Schutzgebiete oder Nationalparks ab. Beliebte Nationalparks wie "Tortugero" oder "Manuel Antonio" bieten mehr Einkommensmöglichkeiten als Parks, wie zum Beispiel der schwer erreichbare Park "Rincon de la Vieja". Auch die Schulung von Bewohnern der betroffen Region stellt sich häufig als schwierige Aufgabe heraus, da Anforderungen wie zum Beispiel gute Englisch-, Biologie-, und Technikkenntnisse die Regel sind.


Probleme bei der Umsetzung des Ökotourismus-Konzeptes in Costa Rica

Ein großes Problem, mit dem die Ökotourismusbranche in Costa Rica zu kämpfen hat, ist das so genannte Trittbrettfahrerproblem. Unternehmen profitieren vom Ruf des Landes als führende Ökotourismusdestination, geben ihr Unternehmen als Ökoprojekt aus, versuchen dann aber nicht die nachhaltigen Ziele des Konzeptes zu erreichen. Der Ruf Costa Rica´s als Land mit gut ausgebauten Formen von nachhaltigem Tourismus kann somit als öffentliches Gut gesehen werden, an dem sich jeder, egal ob man den Zielen von Ökotourismus verpflichtet ist oder nicht, bedienen kann. Effiziente Kontrollmöglichkeiten, wie zum Beispiel das CST, sind zurzeit noch im Aufbau begriffen.

Das Hauptproblem bei der Implementierung der Prinzipien bleibt bei vielen Projekten jedoch die Konzentration auf den Umweltschutzfaktor. In vielen Fällen handelt es sich qua Definition nicht um Ökotourismus, sondern um Naturtourismus verbunden mit Naturschutz beziehungsweise -erhaltung (vgl. 2.2.4.2). Dies ist dann der Fall, wenn die lokale Bevölkerung nur am Rande und im schlimmsten Falle überhaupt nicht vom Tourismus profitiert. Dies ist insofern problematisch, als das Leben dieser Menschen unmittelbar mit dem Gebiet verbunden ist und der Schutz dieses Gebietes auch von der Akzeptanz der Maßnahmen seitens der Bevölkerung abhängt.

Des Weiteren besteht auch in Costa Rica das Problem, dass die dominierenden Akteure zwar nicht zwingend aus dem Ausland, aber zumindest aus der Hauptstadt kommen und die Einheimischen somit kaum Kontrolle über zukünftige Investitionsentscheidungen haben. Bei diesem Argument muss auch auf den in Punkt 4.2.1 angesprochen Devisenabfluss innerhalb des Landes verwiesen werden.

Auch Ökotourismus kann trotz seines Anspruchs auf Nachhaltigkeit sehr leicht zu sozialen Ungleichheiten führen. Ökotourismus ist wie jede andere Tourismusform sehr dienstleistungsorientiert und benötigt hauptsächlich jüngere, flexiblere Arbeitskräfte. Bei der Vergabe von Stellen im Tourismusbereich spielen sehr häufig gute Sprachkenntnisse eine große Rolle. Hier zu ist anzumerken, dass diese Kenntnisse für Costa-Ricaner in der Regel nur mit Hilfe des Besuches von Privatschulen oder durch Auslandsaufenthalte zu erlangen sind. Arme Bevölkerungsteile haben daher geringere Chancen auf besser bezahlte Arbeitplätze.

Auch intraregionale Gegensätze können auftreten, wenn zum Beispiel die Bewohner beim "Cahuita"-Nationalpark an der Karibik mehr vom Tourismus profitieren als andere Bevölkerungsteile innerhalb des Landes (Brandon, 1996:14ff.).

Im Zusammenhang mit der lokalen Bevölkerung lassen sich vor allem Probleme in Bezug auf die generellen Implikationen, die der Tourismus in ländlichen Gebieten mit sich bringt, finden. Bedenkt man, dass Costa Rica erst seit Anfang der 80er Jahre als Reiseland und Tourismusdestination entdeckt wurde und der Ökotourismus-Boom erst Anfang der 90er einsetzte, so muss in Frage gestellt werden, ob die ländlichen Gemeinden ausreichende Kenntnisse über Tourismus verfügen. So kommt es oft zu überzogenen finanziellen Erwartungen seitens der Einheimischen an touristische Projekte in ihrem Umfeld. Zwar bietet Ökotourismus gewisse Verknüpfungspunkte zwischen der lokalen Bevölkerung, der Tourismuswirtschaft und den Touristen, da die Natur an sich ein wichtiger Bestandteil des Konzeptes ist. Jedoch muss bedacht werden, dass für die ein Seite die Natur in erster Linie Lebensraum und Ressource bedeutet und für die andere Seite als Freizeitvertreib betrachtet wird. Ein Verständnis für die Motive der Touristen und somit auch das Erkennen der eigenen Chancen entwickelt sich nicht von heute auf morgen, sondern ist ein langwieriger Prozess.

Ein weiteres, aber eher generelles Problem für alle Entwicklungsländer ist die Frage, was mit den Erträgen, die durch den Tourismus erwirtschaftet wurden, letztendlich passiert.


"Zudem bleibt die Frage, wer die Devisen bekommt und wofür sie schließlich eingesetzt werden. Wenn sie nur einer kleinen, bereits wohlhabenden Schicht zugute kommen, wenn sie nicht im eigenen Land reinvestiert werden, wenn sie auf ausländischen Bankkonten landen, ist der entwicklungspolitische Effekt touristischer Deviseneinnahmen verspielt" (Aderhold/von Lassberg/Stäbler/Vielhaber, 2000:32).

Im fünften Kapitel dieser Arbeit werden nach der Analyse der Ergebnisse Handlungsempfehlungen für Costa Rica´s Zukunft gegeben, mit denen zumindest einem Teil der aufgezeigten Probleme entgegengetreten werden kann.


Kritik an der Regierung von Costa Rica

Wie unter Punkt 4.3.2 schon angesprochen, halten sich die Aktivitäten seitens des costa-ricanischen Staates bei der Umsetzung von Ökotourismus im Lande in Grenzen. Neben einer chronischen Unterfinanzierung des Systems der nationalen Schutzgebiete stellt sich seit etwa Anfang der 90er Jahre die Frage, ob Costa Rica den begonnenen Weg eines nachhaltigen Tourismus weitergeht oder ob die Regierung zunehmend auf Massentourismus setzt..

Begonnen hat die Diskussion 1992, nachdem die spanische Barceló-Gruppe auf der Halbinsel Nicoya am pazifischen Ozean einen 400-Betten-Hotelkomplex baute und dabei gegen etliche Umweltauflagen verstieß, ohne dass die Regierung einschritt. Diese Allianz zwischen einem internationalen Touristikkonzern und der costa-ricanischen Regierung, bei der Geschäfts- und Machtinteressen auf Kosten der Umwelt und der lokalen Bevölkerung durchgesetzt wurden, führte im Lande zu einer bis heute anhaltenden Diskussion über die Zukunft der heimischen Tourismusentwicklung.

Der relativ junge und enorme Bebauungsplan für das Papagayo-Gebiet am Pazifik ist ebenso umstritten. Dieses Projekt beinhaltete den Bau von über 1000 Häusern, fast 6.300 Ferienwohnungen und über 6.500 Hotelzimmern. Dieses Projekt war Teil des Entwicklungsplans des ICT´s für den "Culebra Bay" - Abschnitt an der Pazifikküste des Landes. Die Unternehmung trug zwar den Titel "Papagayo Ecodevelopment", Kritiker jedoch sahen darin einen eindeutigen Fall von "greenwashing".

"The enormous scope of this project is entirely inconsistent with the concept of sustainable and socially responsible ecotourism, which forms the very foundation of the highly successful tourism industry in this country. (…) It is nothing more than a high-profit real estate scheme designed to make a bundle of money for a few Costa Rican insiders and their foreign corporate allies” (Marshall, 1994:2)

Mit Blick auf die immens große internationale Verschuldung des Staates und die somit  dringend nötige schnelle Erschließung neuer Devisenquellen ist der Trend Costa Rica´s hin zum Massentourismus nicht unbedingt verwunderlich. Zumindest kurzfristig spült herkömmlicher Badetourismus in Verbindung mit touristischen Großprojekten mehr und schneller Geld in die Staatskassen als bei nachhaltigen Tourismusformen, bei denen die Einnahmen zu großen Teilen direkt an die Bevölkerung gehen.

Jedoch muss in diesem Zusammenhang auch die Frage gestellt werden, ob die schon geschaffenen nachhaltigen Strukturen leichtfertig aufgegeben werden sollten?


Anhang 2: Lapa Rios





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